Viele Stimmen.
Eine Region.

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H.P. Karr, Herbert Knorr, Sigrun Krauß (Hg.): Glaube.Liebe.Leichenschau

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H.P. Karr, Herbert Knorr, Sigrun Krauß (Hg.): Glaube.Liebe.Leichenschau, Kriminalstorys, Dortmund: Grafit Verlag 2016.

Sie haben es schon wieder getan: Im Vorfeld von Mord am Hellweg VIII ist die Anthologie zum diesjährigen Krimifestival im Grafit Verlag erschienen.

Namhafte KrimiautorInnen pilgern über die verschlungenen Pfade der Hellwegregion, tauchen ein in ihre Mythen, Rituale und Eigenheiten. Aberglaube, Irrglaube und Heilsglaube, aber auch Liebe sind ihre Gefährten. Das Ergebnis: 23 Geschichten voller Mord und Totschlag, Schuld und Sühne. Spannend, hintergründig und humorig wird’s auf jeden Fall. Gute Unterhaltung ist da so sicher wie das Amen in der Kirche!

Die diesjährigen Spannungspropheten sind: Bernhard Aichner (Kreis Unna), Mechtild Borrmann (Hamm), Horst Eckert (Hagen), Jürgen Ehlers (Lünen), Sebastian Fitzek (Unna), Frl. Krise und Frau Freitag (Bergkamen), Sascha Gutzeit (Crime Express), Georg Haderer (Kamen), Kathrin Heinrichs (Soest), Carsten Sebastian Henn (Bad Sassendorf), Elisabeth Herrmann (Ahlen), Susanne Kliem (Bönen), Ria Klug (Wickede), Judith Merchant (Oelde), Gisa Pauly (Holzwickede), Till Raether (Schwerte), Arno Strobel (Gelsenkirchen), Su Turhan (Dortmund), Matthias Wittekindt (Witten), Rainer Wittkamp (Iserlohn), Jörg Steinleitner (Lüdenscheid), Christa Bernuth (Herdecke), Theresa Prammer (Fröndenberg).


Sarah Meyer-Dietrich: "Immer muss man mit Stellwerksbränden, Streiks und Tagebrüchen rechnen"

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Sarah Meyer-Dietrich: "Immer muss man mit Stellwerksbränden, Streiks und Tagebrüchen rechnen"

Sarah Meyer-Dietrich: Immer muss man mit Stellwerksbränden, Streiks und Tagebrüchen rechnen, Bottrop: Henselowsky Boschmann 2016 [Ruhrgebiet de luxe].

Nur weg aus diesem Leben! Sie steigt in Castrop-Rauxel in den nächstbesten Zug, fährt planlos durchs Ruhrgebiet. Verliert sich im Gewirr aus Städten und Menschen. Denn die Geschichten, die sie in den Gesichtern der Mitreisenden zu entdecken meint, vermischen sich immer mehr mit den Schatten der eigenen Biografie...

An guten Tagen lese ich den Kunden ihre Wünsche von den Gesichtern ab. Das Mädchen mit rundlichen Wangen und Sommersprossen: ein Donut mit Streuseln. Ich weiß es, bevor sie es ausspricht. Erst sagt es ihr Gesicht. Dann sagt es ihr Mund. Lieber würde ich bei der Arbeit den Menschen nur auf die Hände schauen. Gesichter verraten zu viel.

Ein rhizomatisches Verwirrspiel um Familie, Liebe und Identität. Anrührend, komisch, verstörend, surreal.

Sarah Meyer Dietrich, geb. 1980, wuchs im Ruhrgebiet auf. Studium der Wirtschafts- und Kulturwissenschaften in Bochum und Hagen. Promotion in Bochum; sie war von 2012 bis 2016 hauptberuflich Geschäftsführerin und Projektmanagerin im Friedrich-Bödecker-Kreis NRW e.V., seit Sommer 2016 ist sie freie Autorin. Sarah Meyer-Dietrich ist u.a. Gewinnerin des Förderpreises des Literaturpreises Ruhr 2014 und des Ruhrgebietsliteraturwettberbs 2015. "Immer muss man mit Stellwerksbränden, Streiks und Tagebrüchen rechnen" ist ihr erster Roman. www.sarahmeyerdietrich.de


Von Feen und Elfen: Drei westfälische Neuerscheinungen für junge Leser

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Von Feen und Elfen: Drei westfälische Neuerscheinungen für junge Leser

Fantasy boomt. Nicht erst seit Peter Jacksons spektakulären Verfilmungen der Tolkien-Klassiker "Herr der Ringe" und "Der kleine Hobbit" und dem Start der Blockbuster-Serie "Game of Thrones" wimmelt es auch in den Regalen der Buchhandlungen nur so von Geschichten um Drachen und Zwerge, Trolle und (über)menschliche Helden. Wenn bereits Erwachsene sich von diesem Genre fesseln lassen, wundert es nicht, dass auch kleine Leser, die in Phantasiewelten noch viel eher zuhause sind, sich für Zauberei und Abenteuer in verwunschenen Welten begeistern können. Bei Kindern besonders beliebt sind vor allem die kleinsten aller Fantasy-Wesen - die Elfen und Feen. Peter Pans Freundin "Glöckchen" und die bekannte "Prinzessin Lillifee" aus dem Münsteraner Coppenrath Verlag haben mittlerweile zahlreiche zauberhafte Geschwister erhalten. Und immer noch werden es mehr. Drei der jüngsten Schöpfungen westfälischer Autorinnen möchten wir Ihnen hier nun in angemessener Kürze vorstellen und wünschen Klein und Groß viel Spaß beim persönlichen Kennenlernen.


Katie Grosser: Rissa Filial und die Verschwörung auf Schloss Thronstein, Schmallenberg: WOLL Verlag 2016.
Rissa Filial ist kein gewöhnliches Mädchen. Sie ist ein Wechselbalg, die menschliche Tochter von Feen aus der Fabelwelt. Doch auch in der Menschenwelt wird sie vom Ungewöhnlichen und Magischen verfolgt, denn plötzlich geschehen auf dem Mädcheninternat Schloss Thronstein allerlei seltsame Dinge. Ihre neue Freundin Emma verbirgt ein trauriges Geheimnis, ihre Mitschülerin Louise verfolgt düstere Pläne und ein Dieb treibt sein Unwesen. Als dann auch noch eine fremde Fee auf dem Schloss auftaucht und sich höchst eigenartig benimmt, ist Rissa sicher: Auf Schloss Thronstein gibt es eine Verschwörung…


Anja Kiel: Lara und die freche Elfe. Prinzessinnenzauber, mit Bildern von Elke Broska, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag [Ravensburger Leseraabe] 2016.
Lara hat eine ganz besondere Freundin: Fritzi, eine echte Elfe. Die möchte heute mit Lara Prinzessin spielen. Die Erbse unter den Matratzen spüren sie zwar nicht und die Kutsche ist nur eine Schubkarre, aber die beiden haben trotzdem jede Menge Spaß. Doch plötzlich rollt die goldene Kugel - Laras Ball - in den Gartenteich. Jetzt müssen Lara und Fritzi beweisen, ob sie auch ohne Froschprinz klarkommen...


Mareike Menne: Flory, die Fee. Geschichten aus dem Feenland, mit Illustrationen von Karen Kliewe, Salzkotten: Eire Verlag 2016.
Ursprünglich nur als Gute-Nacht-Geschichten für ihre eigenen Kinder erdacht, hat Kulturwissenschaftlerin und Verlegerin Mareike Menne die Abenteuer und Streiche der aus Badeschaum geborenen Flory und ihrer Freunde nun auch einem größeren Publikum zugänglich gemacht. Und das Tollste: Am Ende jeder Geschichte wartet eine lustige Mitmach-Idee auf die kleinen Leserinnen und Leser! Mehr über Flory und ihre Freunde kann man außerdem auf der Website www.florydiefee.de erfahren.


Arne Kilian: "Mein totes Herz"

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Arne Kilian: "Mein totes Herz"

Arne Kilian: Mein totes Herz, E-Book, Bastei Entertainment 2016.

Nach langer Wartezeit erhält Frank Römer endlich ein neues Herz. Doch in der Reha-Klinik beginnen ihn albtraumhafte Visionen und Träume zu plagen. Langsam begreift Frank: Die Frau, der er sein Leben zu verdanken hat, war das Opfer eines perfiden Verbrechens. Frank will den Mörder seiner Lebensretterin finden. Noch ahnt er nicht, dass dabei nicht nur sein eigenes Leben auf dem Spiel steht …

Arne Kilian wurde 1979 in Menden geboren. Bereits während seiner Schulzeit erschienen in unterschiedlichen Zeitschriften einige seiner Gedichte und Kurzgeschichten. Auch Erfolge bei Wettbewerben, u. a. beim Rheinischen Merkur und bei 3Sat, stellten sich ein. Im Jahr 2001 zog es ihn für eine Ausbildung zum Verlagskaufmann nach Bielefeld. Neben kaufmännischen Inhalten erhielt er hier einen wertvollen Einblick ins Lektorat, für das der Autor während seines anschließenden Studiums der Germanistik und Philosophie freiberuflich als Korrektor arbeitete. Als Student entfaltete er sein literarisches Interesse noch tiefgreifender, gründete eine Literaturgruppe, produzierte kurzzeitig Beiträge für eine Literatursendung im Bielefelder Lokalradio, trat bei diversen Lesungen sowie Poetry Slams auf und verzeichnete größere Erfolge mit seinen Texten. Besonders stolz ist der Autor auf einen professionellen Podcast, den der bekannte Schauspieler Gerd Silberbauer zu der SF-Geschichte "Die Kolonie" eingesprochen hat. 2014 erschien sein erster Kurzroman "Wintergrab", 2016 der Psycho-Thriller "Mein totes Herz".


Petra Kamburg u.a. (Hg.): "Weisheit - Kritik - Impuls"

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Petra Kamburg u.a. (Hg.): "Weisheit - Kritik - Impuls"

Petra Kamburg, Friedemann Spicker, Jürgen Wilbert (Hg.): Weisheit - Kritik - Impuls. Anthologie zum Aphorismenwettbewerb 2016, Bochum: Brockmeyer Universitätsverlag 2016.

Die neueste vom Deutschen Aphorismus Archiv in Hattingen herausgegebene Anthologie versammelt die besten Einsendungen zum diesjährigen Aphorismenwettbewerb im Vorfeld des 7. Internationalen Aphoristikertreffens im November 2016.

"Weisheit" ist das Kernwort zu diversen Aspekten, die seit den antiken Spruchweisheiten mit dem Begriff verbunden sind. Was verbirgt sich nicht alles in dieser Position: Lebensweisheit, Weltweisheit, Binsenweisheit, Allerweltsweisheit, Sprich­wörterweisheit. Ist "Weisheit" heute einerseits ein Begriff für abgehoben akademisches Erörtern, andererseits für populärere Kurzformen eine scheinbar hochwertige, aber abgegriffene Floskel, bei der es nur um Wiederholung des Alten geht?

"Kritik": Muss man erläutern, dass Sprachkritik, Gesellschaftskritik, satirische Zeit- und Sozialkritik, Kultur- und Ideologiekritik eine Grundposition des Aphorismus ausmachen? Hat sich der Aphorismus heute in dieser Funktion endgültig erschöpft, wenn er angesichts der Missstände, die uns die Medien tagtäglich auf den Schirm holen, nur ein müdes Abnicken zur Folge hat? Hat er damit seine aufklärerische Funktion eingebüßt?

"Impuls": Konkrete Anstöße aus der Gattung gewinnen die Medizin, die Psychologie und Psychotherapie sowie die philosophische Praxis; das reicht bis zur praxisorientierten Lebensgestaltung mit Slogans, Losungen und Sprüchen. Der Weg zur Trivialaphoristik, die Regeln und Rezepte vermittelt, und zum Kalenderspruch ist dabei nicht weit. Können aus solch fragwürdigen Denkanstößen noch echte Impulse erwachsen?

Und eine letzte Frage schließlich über diese drei Begriffe hinaus: Ist der Aphorismus jenseits aller Funktionalität nichts anderes als "schöne" Literatur, eine zeitlos wichtige Form innerhalb der "kleinen Prosa"?

Mit solchen Fragen hatten die Herausgeber zur - möglichst kurzen - kreativen Auseinandersetzung eingeladen. Als Antwort erhielten sie nicht weniger als 387 Einsendungen, teils heiter-ironisch, teils ernst und betroffen machend, stets zum Nachdenken anregend. Und unbedingt lesenswert!


Markus Veith: "Zeitlauscher"

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Markus Veith: "Zeitlauscher"

Markus Veith: Zeitlauscher, Dortmund: OCM Verlag 2016.

Als er klein war, war seine Welt Kauderwelsch.
Ein wirrer Urwald aus Sprache.

Der junge Konrad hat ein außergewöhnliches Talent: Er kann in die Vergangenheit hören. Zunächst prasseln die Stimmen noch unkontrolliert auf ihn ein, doch mit der Zeit lernt er, seine Gabe zu verfeinern und zu nutzen. Dabei muss er feststellen, dass Zeitlauschen nicht nur von Vorteil ist: Er durchlebt grausame geschichtliche Ereignisse, erfährt Dinge, die ihm besser verborgen geblieben wären und kämpft mit seinem Gewissen. Dann verliebt er sich in Klara - ein Mädchen, das vor 470 Jahren lebte. Fast täglich treffen sie sich an einer alten Eiche, wo sie trotz der zeitlichen Entfernung Nähe finden. Bis Klara durch eine Unvorsichtigkeit in Gefahr gerät.

Markus Veith, 1972 in Dortmund geboren, arbeitet seit 1997 als freischaffender Schauspieler und Autor. Während seiner Bühnentätigkeit spielte er deutschlandweit in vielen speziellen Theater-Genres. Als Autor hält er regelmäßig Lesungen, produziert Hörbücher und Hörspiele und wurde mit mehreren Preisen und Nominierungen geehrt. Seine Texte umfassen viele Genres, sowohl inhaltlich als auch stilistisch. www.veithstanz.de

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Ralf Thenior: "Omnibus"

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Ralf Thenior: "Omnibus"

Ralf Thenior: Omnibus, Gedichte, ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Michael Serrer, Düsseldorf: Edition Virgines 2016.

Anlässlich seines siebzigsten Geburtstags hat der Edition Virgines Verlag einen Band mit Gedichten des Dortmunder Lyrikers Ralf Thenior aus 50 Jahren Schaffenszeit aufgelegt. Herausgegeben wird der Band von Michael Serrer, Leiter des Literaturbüros NRW.

Ralf Thenior begann in den 1970er Jahren als Verfasser von Alltagslyrik, der sich von der damaligen Tendenz zur Neuen Subjektivität distanzierte, vielmehr durch die Verwendung der Alltagssprache in seinen Gedichten einen Beitrag zur Sprachkritik leisten wollte. Thenior ist von seinen literarischen Anfängen bis heute ungebrochen neugierig, vielfältig und kreativ. Das motiviert auch seine Reisen, die er immer literarisch verarbeitet, entlang der Elbe, nach Grönland, Bulgarien oder rund um das Schwarze Meer.

Theniors Gedichte sind häufig Momentaufnahmen von Menschen mit sonderbaren und besonderen Eigenschaften. Mit ein paar Zeilen wird eine Figur in ihren individuellen und sozialen Gesten lebendig gemacht. Seine Gedichte, ganz auf sinnliche Einzelheiten konzentriert, sind handwerkliche Präzisionsarbeiten.

Dabei gelingt es ihm, im Detail die gesellschaftliche Wirklichkeit durchscheinen zu lassen. Thenior geht artistisch mit der Sprache um. Der Alltagsjargon seiner Texte ist ebenso sorgfältig stilisiert wie die trivialen Milieus, worin er zitiert wird: Wo die genormten Träume der kleinen Leute - Fernsehheld sein, nach Acapulco fliegen, ein riesiger Lottogewinn - stammelnd und bewusstlos leidend vorgeführt werden, wird Sprachkritik zur Gesellschaftskritik. Darin spiegelt er auf vielfache Weise das Leben im Land Nordrhein-Westfalen. Er zählt zu den wichtigsten Autoren der Region.


Mauritz von Neuhaus: "Totgehoppelt"

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Mauritz von Neuhaus: "Totgehoppelt"

Mauritz von Neuhaus: Totgehoppelt, Kriminalroman, Meßkirch: Gmeiner Verlag 2016.

Ausgerechnet während der Jubiläumsfeier des Kaninchenkastenumstellvereins in Weine wird dem Bürener Bürgermeister Maximilian Krämer übel. Er wird zur Toilette getragen - und verschwindet spurlos. Theresia Rose und Alexander Kantstein nehmen die Ermittlungen auf, aber der Lokalpolitiker bleibt unauffindbar. Das Ermittlerteam ist ratlos und sieht sich zusätzlich erhöhtem Druck aus der Staatsanwaltschaft ausgesetzt. Zur Wiedereröffnung der Wewelsburg taucht schließlich eine Leiche auf - Maximilian Krämer, wie sich herausstellt. Die Ermittlungen führen auch in die lokalpolitische Landschaft, welche gerade durch einen Korruptionsskandal aufgeschreckt wird: Der geplante Ankauf von Dudelsäcken lief alles andere als "sauber". Doch auch das kann den Ermittlern nicht weiterhelfen - sie tappen weiter im Dunkeln.

Nach seiner Schulzeit am Bürener Mauritius-Gymnasium studierte Mauritz von Neuhaus Geschichte und Französisch in Münster. Teile seines Studiums verbrachte der begeisterte Europäer im politischen Herzen des Kontinents: Belgien. Anschließend arbeitete er einige Zeit in Japan. Heute lebt er schreibend und immer wieder von der Welt überrascht zwischen Büren und Costa Rica.
www.mauritzvonneuhaus.de


Burkhard Spinnen: "Die letzte Fassade"

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Burkhard Spinnen: "Die letzte Fassade"

Burkhard Spinnen: Die letzte Fassade. Wie meine Mutter dement wurde, Freiburg im Breisgau: Herder 2016.

Lange Zeit hat er es nicht bemerkt. Das langsame Versinken seiner Mutter in die Demenz stellt Burkhard Spinnen vor eine Aufgabe, die ihn stets aufs Neue überfordert und sein Leben völlig durcheinander bringt. Unvermittelt verkehren sich alle Verhältnisse, die Mutter-Sohn-Beziehung erfährt eine radikale Veränderung. Dazu belastet die dauernde Konfrontation mit der Krankheit der Mutter den eigenen Lebensentwurf. "Die letzte Fassade" ist ein ehrliches, ein bewegendes und glänzend geschriebenes Buch über die neue Volkskrankheit Demenz.

Burkhard Spinnen, 1956 in Mönchengladbach geboren, studierte Germanistik, Publizistik und Soziologie und promovierte 1989. Seit 1996 lebt er als freier Autor in Münster. Verfasser von Romanen, Erzählungen, Essays, Kinderliteratur. Träger zahlreicher Literaturpreise.

Am 10. Juni 2016 stellt Burkhard Spinnen sein Buch auf dem Kulturgut Haus Nottbeck vor.

Achtung! In unser aktuelles Programmheft hat sich ein Fehler eingeschlichen: Bei dem darin genannten 2. Lesungstermin am 20. Mai handelt es sich um eine Verwechslung. An diesem Abend liest nicht Burkhard Spinnen, sondern Rainer Schepper aus "Der tolle Bomberg".


Jörn Klare: "Nach Hause gehen"

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Jörn Klare: "Nach Hause gehen"

Jörn Klare: Nach Hause gehen. Eine Heimatsuche, Berlin: Ullstein 2016.

"Mein Heimweg ist eine mehr als sechshundert Kilometer lange Wanderung. Der Rhythmus der Schritte wird zu einer Meditation zum Thema Heimat und macht den Weg nach Hause zu meiner ganz persönlichen Pilgerstrecke. So wandere ich gleichsam durch einen Wald und durch mein Leben."

Was genau ist Heimat? Was bedeutet sie? Und warum ist sie wichtig? Jörn Klare geht dem sehr persönlich und ganz wörtlich nach. Von seiner Berliner Haustür aus wandert er an den Ort seiner Kindheit und Jugend am Rand des Ruhrgebiets. Ein Weg über gut sechshundert Kilometer. Erst durch Ostdeutschland, das ihm immer noch fremd ist, dann durch Westdeutschland, das ihm oft nicht mehr vertraut ist. An Orten, die Alte Hölle, Elend oder Wildewiese heißen, begegnet er Menschen, die ihre Heimat lieben, an ihr leiden und für sie kämpfen. Schließlich erreicht er die kleine Stadt, die einst sein Leben war.

Ein besonderes Buch, das jeden dazu bewegt, sich neu zu verorten. Ein Porträt von Deutschland, das man so kaum kennt. Jörn Klares Heimatsuche ist eine vielschichtige Auseinandersetzung mit der Frage: Wohin gehöre ich in einer Welt, die sich immer schneller wandelt?

Jörn Klare, geb. 1965 in Hagen-Hohenlimburg, schreibt Bücher, Theaterstücke sowie Reportagen und Features, unter anderem für den Deutschlandfunk und DIE ZEIT. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.


Walter Gödden u.a.: "Chronik der westfälischen Literatur 1945-1975"

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Walter Gödden u.a.: "Chronik der westfälischen Literatur 1945-1975"

Walter Gödden u.a.: Chronik der westfälischen Literatur 1945-1975, 2 Bände, Bielefeld: Aisthesis Verlag 2016 [Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen, Band 63].

Die Chronik bietet erstmals einen systematischen Überblick über die Literatur Westfalens der Jahre 1945-1975. Im Mittelpunkt stehen dabei - in möglichster Vollständigkeit - die Buchproduktion jener Jahre, literarische Zeitungen und Zeitschriften, Literaturpreise, Briefzeugnisse und der persönliche Werdegang von Autorinnen und Autoren. Schwerpunkt des ersten Bandes ist der literarische Neuanfang nach 1945, der in Wirklichkeit kein Neuanfang war. Die alten, vielfach NS-belasteten Autorinnen und Autoren bestimmten bald wieder das literarische Leben Westfalens, protegiert durch wiederbegründete Organisationen wie den "Westfälischen Heimatbund". Mitte der 1950er Jahre regte sich Widerstand gegen eine rückständige Heimatliteratur und deren Förderung. Der Konflikt kam auf Dichtertreffen der Jahre 1955 in Marl und vor allem 1956 in Schmallenberg offen zum Ausbruch und führte in den Folgejahren zu einer Umorientierung. Letztlich trugen junge, kritische Autoren wie Paul Schallück und Hans Dieter Schwarze den Sieg davon. Der spätere Hagener Büchner-Preisträger Ernst Meister wurde zur Galionsfigur der literarischen Moderne in Westfalen.

Dreißig Jahre - in einer vergleichsweise kurzen Zeitspanne vollzog sich in der Literatur Westfalens ein grundlegender Wandel. Er führte von den Spätausläufern der Blut- und Boden-Literatur bis zum politischen Vers, zu Agit-Prop und verschiedenen Formen der Underground-Literatur (einschließlich Film, Fernsehen und Theater). Der zweite Band dokumentiert diese weltanschauliche Öffnung und rückt literarische Vereinigungen wie die Dortmunder "Gruppe 61" und die "Werkkreis"-Bewegung in den Vordergrund. Forderungen nach einer politischen Literatur, die sich der Wirklichkeit der Arbeitswelt annehmen sollte, und Schlagworte wie "Literatur für alle" fanden damals in der gesamten deutschen Literaturwelt Widerhall. Im sich anbahnenden Pop-Zeitalter diversifizierten sich Literaturphänomene noch weiter. Dabei verwundert es fast, dass Westfalen in größerem Maße Anschluss an progressive Strömungen fand - in der Literatur ebenso wie auf der Theaterbühne (wobei von den Ruhrfestspielen Recklinghausen und dem Landestheater Castrop-Rauxel wichtige Impulse ausgingen). Selbst die in Westfalen von jeher starke Heimatdichtung wagte Sprachexperimente im Stile der sogenannten "Wiener Schule". Den größten westfälischen "Literaturskandal" jener Jahre löste 1959 Reinhard Döhls Text "missa profana" aus, der als Verunglimpfung religiöser Sitten empfunden wurde - mit juristischem Nachspiel bis vor den Bundesgerichtshof. Solche Ereignisse zeigen paradigmatisch den hohen Stellenwert, den Literatur damals einnahm. Die Kluft zwischen konservativer und weltoffener Literatur zieht sich wie ein roter Faden nicht nur durch die westfälische Literatur.


Matthias Engels: "Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun"

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Matthias Engels: "Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun"

Matthias Engels: Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun, Lehrensteinsfeld: Stories & Friends 2015.

USA 1881/1882. Fast zeitgleich schiffen sich zwei Männer für die Überfahrt nach Amerika ein. Oscar Wilde, in Europa bereits berühmt und berüchtigt, tritt eine umfangreiche Vortragsreise über Ästhetik an und wird in den amerikanischen Großstädten begeistert empfangen. Auf Knut Hamsun dagegen wartet niemand. Statt mit Literatur verdient er sich den Lebensunterhalt mühsam mit Gelegenheitsarbeiten. Für beide beginnt die schriftstellerische Karriere erst nach der Rückkehr in die Heimat. Wildes "Dorian Gray" und Hamsuns "Hunger" werden in Zeitungen veröffentlicht. Bald gehört Wilde zur europäischen Avantgarde und Hamsun erhält gar den Literaturnobelpreis. Doch Ruhm ist bekanntlich vergänglich. Beide Schriftsteller sterben geächtet und verbittert.

Matthias Engels, geb. 1975 in Goch am Niederrhein, lebt mit seiner Familie im westfälischen Steinfurt. Er erlernte zunächst den Beruf des Sortimentbuchhändlers, ist als Referent für Literatur in der Erwachsenenbildung tätig und veröffentlicht seit 2008 Romane und Lyrik. Matthias Engels ist Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller NRW.


Herbert Somplatzki & Eckard Koltermann: "Anthrazitmuseum"

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Herbert Somplatzki & Eckard Koltermann: "Anthrazitmuseum"

Herbert Somplatzki & Eckard Koltermann: Anthrazitmuseum. Gesang von den Schwarzen Diamanten, Audio-CD (57 Min.), Schmallenberg: Megalit-Verlag 2015.

In Folge der rasanten Entwicklung der Industrie an Ruhr, Emscher und Lippe, kamen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr Menschen aus dem europäischen Osten ins "Land der roten Erde" Westfalen, um im Bergbau zu arbeiten. Die Kohle als "Schwarzes Gold" jener Aufbauzeit wurde zum Antrieb einer gigantischen Lokomotive, die das Land und die Republik aus den Bombentrümmern des Krieges ins so genannte "Wirtschaftswunder" zog. Doch den Fördertürmen sind inzwischen die Seilfahrten abhanden gekommen und über die Halden ist Gras gewachsen. Nun bereiten sich die letzten Zechen hier auf ihren endlosen Schlaf im Schlagschatten denkmalgeschützter Fördertürme vor; und mit ihnen geht die Geschichte von anderthalb Jahrhunderten "Schwarzer Diamanten" ihrem Ende entgegen. Was bleibt, ist das Erinnern. Und wenn auch die Erinnerung das einzige Paradies sein soll, aus welchem wir nicht vertrieben werden können, wie es der Dichter Jean Paul behauptete, so waren doch die dunklen Tage und Nächte in Schweiß und Staub wesentlich mehr, als es die aktuelle "Kumpelnostalgie" behauptet.

Das Programm "Anthrazitmuseum", das im Rahmen des Jahresfestivals von literaturland westfalen 2012/13 entstand und nun auch in Form einer CD vorliegt, berichtet mit Literatur und Musik von einer wichtigen Epoche Westfalens. Im Zusammenspiel zweier Künste begegnen sich die Erfahrungswelten eines Schriftstellers und eines Musikers und werden zu einer neuen Einheit. Und dieser Gesang von den Schwarzen Diamanten erfährt dann in der Interpretation durch die Urheber seine besondere Authentizität.

Herbert Somplatzki ist ein "angelernter Westfale". Er kam nach Ende des Zweiten Weltkriegs als masurisches Flüchtlingskind ins „Land der roten Erde“, um zu bleiben. Elf Jahre arbeitete er auf der Zeche Gewerkschaft Auguste Victoria in Marl. Er hat über vierzig Romane, Erzählungen und Sachbücher veröffentlicht, dazu mehrere Hörspiele und Theaterstücke sowie zahlreiche Liedertexte. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, z.B. mit dem Hörspielpreis der ARD, dem Stipendium des Deutschen Literaturfonds, einem Aufenthaltsstipendium im Künstlerdorf Schöppingen, etc.

Eckard Koltermann ist "geborener Westfale". Er gehört zu einer jüngeren Generation von Künstlern als Herbert Somplatzki und hat als Musiker und Komponist zahlreiche Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Poeten gesammelt. Darüber hinaus hat er als Komponist Musik für Filme und Theaterstücke sowie für Choreografien des Tanztheaters geschrieben und war lange Zeit Musikalischer Leiter am Schlosstheater Moers.

Eckard Koltermann und Herbert Somplatzki arbeiten schon seit den 1990er Jahren zusammen; z.B. beim „Rheinischen Musikfest 1993" und der WDR-Produktion "Kakerlaken Blues" sowie der CD "WortMusik" oder dem musikliterarischen Stück "Von Osten gekommen". Und sie waren an verschiedenen Projekten, etwa Schachtzeichen, der Kulturhauptstadt Europas 2010 beteiligt.

Am 11. März 2016 präsentieren Sie das Programm "Anthrazitmuseum" im Nicolaihaus Unna.

www.megalit-verlag.de


Monika Littau (Hg.): "postpoetry.NRW"

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Monika Littau (Hg.): "postpoetry.NRW"

Monika Littau (Hg.): postpoetry.NRW - Poesiebotschaften aus fünf Wettbewerbsjahren, Düsseldorf: Edition Virgines 2015.

postpoetry.NRW, der Wettbewerb für Nachwuchsautorinnen und -autoren sowie Lyrikerinnen und Lyriker aus Nordrhein-Westfalen, blickt zurück auf fünf Jahre.

Außergewöhnlich ist dieses Projekt, weil es die Zusammenarbeit von Fünfzehn- bis Einundzwanzigjährigen, die ihr poetisches Schreiben erproben, mit älteren, bereits arrivierten Lyrikerinnen und Lyrikern fördert. Der Name des Projekts leitet sich von den Lyrikpostkarten her, die alljährlich Leserinnen und Leser für die Poesie gewinnen wollen.

Im nun erschienenen Sammelband sind die verschickten Poesiebotschaften der vergangenen Jahre sowie weitere Gedichte zusammengetragen. Ergänzt werden sie um Zugangstexte, die einen möglichen Weg ins Gedicht und zu seinem Verständnis vorschlagen. So ist ein generationsübergreifendes nordrhein-westfälisches Lyriklesebuch entstanden, das sich an junge Leserinnen und Leser, Lyrikvermittlerinnen und -vermittler und an all diejenigen wendet, die ihre Freude beim Lesen poetischer Texte entdecken wollen.

Monika Littau studierte Germanistik, Geographie und Musikwissenschaft. Sie war in Forschung, Bildung und Kulturförderung tätig. Seit 1977 erscheinen von ihr literarische Texte, zunächst insbesondere Lyrik. Sie ist Verfasserin von Sachliteratur, von Lyrik, Prosa, einem Theaterstück und Hörspiel sowie Kinderliteratur. Für ihre literarischen Arbeiten erhielt sie eine Reihe von Auszeichnungen, u.a. den Förderpeis für junge Künstler des Landes Nordrhein-Westfalen. www.monika-littau.de


Erwin Grosche: "Kurze Strecken gehen Vögel auch zu Fuß"

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Erwin Grosche: "Kurze Strecken gehen Vögel auch zu Fuß"

Erwin Grosche: Kurze Strecken gehen Vögel auch zu Fuß. Letzte Erkenntnisse und wichtige Anmerkungen von Erwin Grosche, hg. von Frank Becker, mit 32 farbigen Illustrationen von Dagmar Geisler, Wuppertal: NordPark Verlag 2015.

Erwin Grosches Aphorismen, Alltagsbeobachtungen, Wahrheiten und Weisheiten sind gedankliche Artistik, exzellente Equilibristik der Gedanken - auf Augenhöhe, die es dem Leser dieser Sammlung oder dem Besucher seiner Kleinkunst- und literarischen Kabarettabende erlaubt, stets dicht bei ihm zu bleiben. Was andere schon immer denken wollten, sich es dann tatsächlich zu denken aber nicht getraut haben, übernimmt er für sie - und geht noch einen Schritt weiter: Er spricht es aus und schreibt es auf. Damit überwindet er eine hauchdünne, unsichtbare und oft für andere unüberwindliche Grenze: zu zweifeln, wo es angezeigt ist, zu sagen was wahr ist, ans Licht zu heben, was wichtig ist. Dabei tut mancher seiner bemerkenswerten Sätze so als täte er nur so als wäre er was, wobei die Botschaft oft bereits im Zweifel steckt.

Ein Buch für Menschen zwischen 7 und 98 Jahren, die sich auf leichte Art über die Schwere des Alltags, das Scheitern im Großen und Kleinen, das Gelingen im Kleinen und Großen, das Wetter, die Liebe, Leben mit Hunden und besondere Fahrradschlösser informieren wollen.

Erwin Grosche wurde 1955 in Anröchte geboren. Er lebt heute als Kabarettist, Schauspieler und Autor in Paderborn. Neben Kleinkunst- und Theaterproduktionen schreibt er Bücher und dreht Filme. Er wurde im Jahre 2015 sechzig Jahre alt und ist seitdem nicht mehr zu bremsen.


Christoph Wenzel: "lidschluss"

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Christoph Wenzel: "lidschluss"

Christoph Wenzel: lidschluss. Gedichte, Wien: Edition Korrespondenzen 2015.

Christoph Wenzels Gedichte sind eine Art von Augenschließen, ein Abgesang auf eine Landschaft, die verschwunden ist. Mit fotografischer Genauigkeit und Empathie zeichnet er das Leben im rheinischen Braunkohlerevier nach und führt uns in die Geisterdörfer einer Gegend, deren Wüstungen von invasiver Energiegewinnung zeugen.

Auch die vom Erinnerungsraum seiner westfälischen Herkunft grundierten Gedichte handeln vom Alltäglichen, und sie fragen nach der sozialen Verortung von Identitäten. Es sind häufig ländliche Szenerien aus Wohnsiedlungen, Raps- und Maisfeldern, die Christoph Wenzel in einem unverwechselbaren Ton erschreibt. Er spielt mit der Vieldeutigkeit unserer Sprache, zeigt die Bildlichkeit des Buchstäblichen und nutzt die Wortwörtlichkeit der Metapher, um abgegriffene Floskeln in einen vibrierenden Blues zu verwandeln.

Christoph Wenzel, geb. 1979 in Hamm (Westfalen), lebt als Autor, Verleger und Universitätsangestellter in Aachen. Er erhielt zuletzt den Alfred-Gruber-Preis (2012), den GWK-Förderpreis/Münster (2012), das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln (2013) und den Förderpreis des Landes NRW (2014).


Annette Wieners: "Kaninchenherz"

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Annette Wieners: "Kaninchenherz"

Annette Wieners: Kaninchenherz, Berlin: List 2015.

Friedhofsgärtnerin Gesine Cordes ist schockiert, als sie sieht, für wen die Beerdigung am heutigen Tag ist: Ihre eigene Schwester Mareike wird begraben. Seit zehn Jahren haben sich die beiden Schwestern nicht mehr gesehen. Seit Gesines Sohn unter bis heute ungeklärten Umständen ums Leben kam. Beide gaben sich gegenseitig die Schuld an seinem Tod. Gesine hat damals alles verloren. Ihre Arbeit als Kriminalkommissarin, ihre Wohnung, ihre Familie. Warum musste ihre Schwester sterben? War es Mord? Was wissen die Eltern? Als Gesine nachforscht, stößt sie auf eine Mauer des Hasses.

Annette Wieners, geboren in Paderborn, hat für ARD, ZDF und WDR als Drehbuchautorin gearbeitet. Sie lebt als Autorin und Journalistin in Köln. "Kaninchenherz" ist ihr Krimidebüt und der erste Teil einer Serie.


Jürgen August Alt/Alfons Huckebrink (Hg.): "Intercity München-Amsterdam"

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Jürgen August Alt/Alfons Huckebrink (Hg.): "Intercity München-Amsterdam"

Jürgen August Alt/Alfons Huckebrink (Hg.): Intercity München-Amsterdam. Niederländisch-deutsche Verbindungen, Münster: sonderpunkt Verlag 2015.

"Meine Niederlande, aber auch: Mein Deutschland: Es ist, wie es ist", schreibt Giselle Ecury über ihr Verhältnis zu Deutschland und zur deutschen Sprache.

Wie sie sind etliche deutsche und niederländische Autorinnen und Autoren dem Aufruf des VS NRW gefolgt, Texte zu einem deutsch-niederländischen Literaturprojekt beizusteuern. Einige dieser Texte von insgesamt 17 Autoren beider Länder sind nun in diesem Band veröffentlicht, Gedichte und Erzählungen bunt gemischt. Viele der Gedichte sind in beiden Sprachen, im Niederländischen und im Deutschen, abgedruckt. Die Beiträge schildern Begegnungen mit dem jeweils anderen Land, manchmal befassen sie sich auch mit Themen wie Freiheit, Krieg, dem Alter.

Die Niederländerin Giselle Ecury erzählt die Geschichte ihrer Familie mit Wurzeln in Deutschland und in den Niederlanden sowie darüber, wie sie selbst das Land und seine Leute erlebte - mal gute, mal schlechte Begegnungen. Ihr Fazit: "Ein Gleichgewicht ist zustande gekommen". Das Gleichgewicht, zu dem auch dieses Buch beitragen möchte.

Ein Projekt des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) in NRW


Brigitte Werner: "Zufälle"

Literaturtipp

Brigitte Werner: "Zufälle"

Brigitte Werner: Zufälle. Das Leben ist wunderbar, Stuttgart: Verlag Freies Geistesleben 2015.

Brigitte Werner schildert 25 kleine Begebenheiten aus ihrem Leben - mit einem aufmerksamen, liebevollen Blick auf die scheinbar-unscheinbaren Ereignisse im Alltag, die sich aber bei näherem Hinsehen als denkwürdig und hintergründig erweisen können. So kann man auch selbst aufmerksam werden, wenn man die Augen aufmacht, sie blank reibt und sich voller Freude umdreht.

Die kurzen, humorvollen und nachdenklichen Texte regen Fragen an, die oft im Verborgenen schlummern und nur darauf warten, einmal ans Tageslicht gehoben zu werden. Ob es um Erlebnisse mit Kindern, mit Engeln oder skurrilen Seniorinnen geht, um Träume über das Fliegen, Gespräche mit Igeln und Vögeln oder dem besten "Liebhaber" aller Zeiten: immer sind diese kleinen Episoden zum Staunen, zum Nachdenken oder Schmunzeln. Eine anregende Lektüre für zwischendurch - und ein ideales Buch zum Verschenken.

www.brigittewerner.de


Anja Kiel & Inge Meyer-Dietrich: "Ein Stern für Finja"

Literaturtipp

Anja Kiel & Inge Meyer-Dietrich: "Ein Stern für Finja"

Anja Kiel & Inge Meyer-Dietrich: Ein Stern für Finja, mit farbigen Bildern von Nina Dulleck, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2015.

Familie Sternberg liebt alles, was mit Sternen zu tun hat. Wie passend also, dass die Familie in ein altes Haus mit Sternwarte zieht. Dort warten tolle Abenteuer auf Finja und ihre beiden Geschwister. Doch das gibt jede Menge Chaos!

Als Finja mit ihren Eltern und Geschwistern in das alte Haus der verstorbenen Großtante zieht, ahnt sie noch nicht, was sie erwartet. Das "Sternenhaus", wie Finja ihr neues Heim liebevoll nennt, ist nämlich ein riesiger Abenteuerspielplatz! Es gibt einen Märchengarten mit verzaubertem Seerosenteich, einen Speicher voller verschlossener Koffer und Schränkchen und eine geheimnisvolle Sternwarte auf dem Dachboden ...

Inge Meyer-Dietrich: Geboren am 27. Dezember 1944 in Dahle. Aufgewachsen in Bochum. Mittlere Reife, danach Ausbildung zur Krankenschwester in Bonn. Abitur auf dem 2. Bildungsweg am München-Kolleg. Studium der Soziologie, Germanistik und der Empirischen Kulturwissenschaften in München und Tübingen. Beginn der 80er Jahre: Mitgliedschaft in der Literaturwerkstatt Essen und erstmalige öffentliche Präsentation ihrer Texte. Ihre Karriere beginnt 1984 mit dem 1. Preis beim Wettbewerb "Kinderliteratur" in NRW. 1986 folgt die Veröffentlichung ihres ersten Buches "Mein blauer Ballon", 1988 der Durchbruch mit ihrem ersten Roman "Plascha". Schreibt seitdem zahlreiche Romane, Geschichten und Gedichte für junge Leute unterschiedlicher Altersstufen und für Erwachsene. Lesungen aus ihren Büchern und Leitung von Schreibwerkstätten und Workshops zu speziellen Themen wie z.B. "Liebe und Freundschaft", "Tod und Trauer" und "Fremdsein in Deutschland".

Anja Kiel: Geboren 1973 in Tübingen. Seit 1980 lebt sie in Nordrhein-Westfalen. Sie machte ihr Abitur in Gelsenkirchen, studierte Kunstgeschichte, Angewandte Kulturwissenschaften und Philosophie in Münster, absolvierte ein Volontariat bei der Zeitschrift Prinz in Duisburg. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Hagen. Bücher schreibt sie erst seit ein paar Jahren, dafür mit wachsender Begeisterung.


Rainer Strobelt: "leichte athletik"

Literaturtipp

Rainer Strobelt: "leichte athletik"

Rainer Strobelt: leichte athletik. Launige Gedichte, Oberschöna: Peter-Segler-Verlag 2015.

wussten sie schon
es gibt hohn
wussten sie das
es gibt hass
wissen sie was
aber auch spaß

Mit diesem Kurzgedicht unter dem Titel "präsentation" beginnt der neue Lyrikband des westfälischen Autors Rainer Strobelt. Und Spaß machen die auf den folgenden knapp 150 Seiten versammelten Gedichte in der Tat. Nicht weil sie immer die direkte Pointe suchen, sondern weil sie mit Klugheit und Witz zum um die Ecke denken einladen und für Sprachfreunde zudem eine wahre Fundgrube an intelligenten Wortspielen bereithalten. "Ein Meister der lyrischen Miniatur", urteilt die Autorin Ulla Lachauer im Klappentext über Rainer Strobelt. Dem kann man sich nur anschließen.

Rainer Strobelt wuchs in Ahlen/Westfalen auf. Mittlere Reife, Höhere Handelsschule, Teilvolontariat als Sportjournalist an Bielefelder Tageszeitung (1966), Abitur. Fußballspieler A-Jugend Kreisauswahl Beckum. Ab 1969 Studium der Slawistik und Amerikanistik in Freiburg, Zagreb, Münster. Gymnasiallehrer für Englisch, Russisch, Literatur zwischen 1977 und 2010, dabei Auslandsschuldienst (Deutsch als Fremdsprache) in Kroatien und Bosnien-Herzegowina (Fachberater für Deutsch, 2002-2008). Reiseleitungen Studienreisen und Jugendbegegnungen (UdSSR). Rainer Strobelt lebt in Warendorf.
www.rainer-strobelt-literatur.de


Achim Albrecht u.a.: "Ilai und seine Freunde erobern die Welt"

Literaturtipp

Achim Albrecht u.a.: "Ilai und seine Freunde erobern die Welt"

Sandro Proietto (Hg.), Achim Albrecht (Autor), Markus Murlasits (Zeichnungen): Ilai und seine Freunde erobern die Welt, Dortmund: OCM Verlag 2015.

Schweiz, Österreich, Deutschland - für die ganze Welt.

Ilai und seine Freunde - das sind Cooper aus Australien, Ima aus Peru, Meilin aus China, Devi aus Indien und Lamin aus Gambia. Und natürlich das Hundemädchen Mia. Alle Kinder gehen in den gleichen Kindergarten in der Schweiz und erleben dort tolle Abenteuer. Gemeinsam erobern sie die Welt, denn sie wissen: Miteinander statt gegeneinander!

Das Kinderbuch ist ein länderübergreifendes Projekt, an dem viele Menschen gearbeitet haben: Der Schweizer Herausgeber Sandro Proietto, ohne den Ilai und seine Freunde nur eine nette Idee geblieben wären. Der deutsche Autor Achim Albrecht, der die Geschichte der Freunde erzählt, so wie sie passiert ist. Der Illustrator Markus Murlasits, der in Österreich lebt und mit seinem Zeichenstift Mia, Ilai und seine Freunde zum Leben erweckt.

Die jungen Leser können mit Ilai und seinen Freunden ferne Länder kennenlernen, spannende Aufgaben lösen und die Welt ein bisschen bunter machen! Um das Buch perfekt nutzen zu können, wird ein Tablet oder Smartphone mit einem QR-Code-Scanner benötigt.


Achim Albrecht
Geboren am 16.3.1959 in Kaiserslautern. Als strebsamer Sohn verantwortungsvoller Eltern studierte er entgegen seinen literarischen Neigungen Jura, schloss eine Bankausbildung an und komplettierte seine wirtschaftsrechtliche Ausrichtung mit beruflichen Einsätzen in den verschiedensten Ländern. Heute lehrt er als Professor Internationales  Wirtschaftsrecht. Der Autor hat die ursprüngliche Idee, seine Fantasie und Liebe zur Sprache schriftstellerisch umzusetzen, nie aufgegeben. Achim Albrecht lebt in Dortmund.


Andreas Kollender: "Kolbe"

Literaturtipp

Andreas Kollender: "Kolbe"

Andreas Kollender: Kolbe, Bielefeld: Pendragon Verlag 2015.

Sommer 1943: Hitler muss weg! Das steht für Fritz Kolbe fest. Als Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes hat er Zugang zu streng geheimen Dokumenten, die er aus der Behörde schmuggelt. Eine Kurierfahrt in die Schweiz ermöglicht ihm die Kontaktaufnahme zu den Amerikanern. Kolbe beginnt ein lebensgefährliches Doppel­leben. Er übergibt den Amerikanern hochbrisantes Mate­rial, darunter der genaue Lageplan der Wolfsschanze, Hitlers Hauptquartier, sowie wichtige Hinweise auf Spione und einen deutschen Geheimsender in Irland. Die Alliierten nutzen seine Informationen, aber Hitler bleibt an der Macht und der sinnlose Krieg geht weiter. Kolbe zweifelt mehr und mehr an seiner Mission, will aufgeben, doch Marlene, die Frau, die ihm alles bedeutet, ermutigt ihn zum Weitermachen. Bis es zu einem folgenschweren Unfall kommt …

Andreas Kollenders Sprache entwickelt eine unglaubliche Sogwirkung, augenblicklich ist man gefangen in seiner Geschichte von Widerstand und Liebe, von Mut und Zivilcourage.

Fritz Kolbe ist ein fast vergessener Held. Obwohl er uneigennützig und unter Einsatz seines Lebens Widerstand gegen das Nazi-Regime geleistet hat. Als Beamter im Auswärtigen Amt schmuggelt Kolbe Aktenmaterial in die Schweiz und liefert den Amerikanern 1.600 Dokumente. Durch ihn erfahren die Amerikaner u. a. von einem Nazi-Spitzel im Umfeld des US-Vizepräsidenten, von einem neuen Düsenflugzeug und der geplanten Ermordung der jüdischen Gemeinde Roms. Die Amerikaner geben Fritz Kolbe den Decknamen George Wood. Der spätere CIA-Chef Allen Dulles bezeichnet Kolbe als den wichtigsten Spion des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Krieg wird Kolbe die Wiederanstellung im Auswärtigen Amt verwehrt. Er kann in Deutschland nicht mehr Fuß fassen. Kolbe schlägt sich mit verschiedenen Berufen durch und stirbt, nahezu vergessen, 1971 in Bern - in jener Stadt, in der er zum Top-Spion der Amerikaner wurde. Erst im Jahr 2004 wurden seine mutigen Taten gewürdigt, als der damalige deutsche Außenminister Joschka Fischer den Fritz-Kolbe-Saal im Auswärtigen Amt einweihte.


Klaus Goehrke: "Vermisste Väter"

Literaturtipp

Klaus Goehrke: "Vermisste Väter"

Klaus Goehrke: Vermisste Väter. Fern von Westfalen, Münster: agenda Verlag 2015.

"Auch wenn du es nicht glaubst: Russland gehört zu Europa." Das sagt Natalie zu ihrer Tochter Laura, die ihre Sympathie für dieses Land nicht verstehen kann und drängende Fragen stellt: Wieso haben sich Natalie und Max, Lauras verschwundener Vater, ausgerechnet am südrussischen Don kennen gelernt, und warum haben sich die beiden kurz nach ihrer Geburt wieder getrennt? Ihre Oma in Münster gibt zwar über ihren lange verstorbenen Mann Auskunft, der am Don in russische Gefangenschaft geraten war, will aber nicht über Max sprechen. Erst auf seiner Beerdigung in Weimar enthüllt sich Laura, was für ein Mensch ihr Vater war. Auf seinen Spuren fährt sie nun selbst mit ihrem Freund Lars an den Don, wo sie sich heftig in Boris verliebt, der ihr nach Dortmund folgt. Frauen aus drei Generationen, die den Don als ihren Schicksalsstrom erleben...


Klaus-Hendrik Mester: "Fußball leben im Ruhrgebiet"

Literaturtipp

Klaus-Hendrik Mester: "Fußball leben im Ruhrgebiet"

Klaus-Hendrik Mester: Fußball leben im Ruhrgebiet. Eine Zeitreise durch 13 Städte voller Fußball-Leidenschaft, 2. Auflage, Hildesheim: Arete Verlag 2015.

Wer weiß schon, dass das erste Live-Spiel im deutschen Fernsehen Hamborn 07 gegen FC St. Pauli lautete, Schwarz-Weiß Essen am "dritten Weihnachtstag" 1959 DFB-Pokalsieger wurde und "Atom-Otto2 Luttrop per Zeitungsannonce zum 1. FC Mülheim kam?

Klaus-Hendrik Mester hat für dieses Buch, das nun in zweiter Auflage erschienen ist, dreizehn Städte besucht und mit zahlreichen prominenten und weniger prominenten Zeitzeugen von Marcel Radecanu, Ennatz Dietz, Frank Goosen und Sönke Wortmann bis zu Hermann Winzler von den Sportfreunden Katernberg und Fritz Hesse von Westfalia Herne gesprochen. Herausgekommen sind liebevolle Vereinsporträts mit überraschenden Geschichten zu VfL Bochum, Wattenscheid 09, VfB Bottrop, Borussia Dortmund, MSV Duisburg, Hamborn 07, Schwarz-Weiß Essen, Rot-Weiss Essen, SF Katernberg, Schalke 04, Westfalia Herne, DSC Wanne-Eickel, SV Sodingen, Spvgg. Herten, Lüner SV, TSV Marl-Hüls, 1. FC Mülheim, Rot-Weiß Oberhausen und Spvgg. Erkenschwick. Sie alle zeigen, dass im Ruhrgebiet der Fußball trotz aller Kommerzialisierung noch immer leidenschaftlich gelebt wird und zwar von der Champions League bis zur Kreisklasse.


Sarah Meyer-Dietrich & Sascha Pranschke (Hg.): "Neben der Spur"

Literaturtipp

Sarah Meyer-Dietrich & Sascha Pranschke (Hg.): "Neben der Spur"

Sarah Meyer-Dietrich & Sascha Pranschke (Hg.): Neben der Spur. Ein Dülmen-Thriller, Essen: Klartext 2015.

Der erste Tag an der neuen Schule beginnt für Brian vielversprechend: Er lernt Lena, eine hübsche Mitschülerin, kennen, und Dülmen scheint mehr zu bieten, als der Siebzehnjährige geahnt hätte. Immerhin ist Brian in New York aufgewachsen und gerade erst von Essen in die münsterländische Kleinstadt gezogen. Aber schon bald ahnt Brian, dass die Idylle trügt: Zuerst wird Lena von einem Kaninchen brutal attackiert. Dann rastet ihr Ex-Freund Frederico nach einem Basketballspiel scheinbar grundlos aus. Brians Mitschüler Ben, dessen kleiner Bruder bei einem tragischen Unfall ums Leben kam, verrät ihm, dass sich schon seit einiger Zeit Menschen und Tiere in Dülmen ungewöhnlich aggressiv verhalten. Und mitten in dieses Chaos platzt Brians beste Freundin Tara und zeigt sich gar nicht begeistert über seinen Flirt mit Lena ...

Warum sind die Dülmener bloß so neben der Spur? Mit dieser Frage geht es schließlich um Leben und Tod. 45 Jugendliche aus Dülmen und Umgebung haben diesen Roman geschrieben, der mit einer Mischung aus Spannung, Liebe und Humor genauso vielstimmig daherkommt wie seine Autoren. Der Roman ist Nachfolgeband der Bücher "Stromabwärts. Ein Emscher-Roadmovie", "Grenzgänger. Ein Ruhrpott-Roadmovie" und "Endstation Emscher. Zwei Hellweg-Krimis" - Grenzgänger-Leser dürfen sich auf ein Wiedersehen mit Brian und Tara aus "Picknick im Park" freuen.


Friedemann Spicker & Jürgen Wilbert (Hg.): "Größe im Kleinen"

Literaturtipp

Friedemann Spicker & Jürgen Wilbert (Hg.): "Größe im Kleinen"

Friedemann Spicker & Jürgen Wilbert (Hg.): Größe im Kleinen. Der Aphorismus und seine Nachbarn, Bochum: Universitätsverlag Brockmeyer 2015.

Im Vorfeld des nunmehr bereits 6. Aphoristikertreffens hatten sich die Veranstalter vom Deutschen Aphorismusarchiv zu einer Erweiterung entschlossen. Neben dem Aphorismus sollten auch dessen Nachbarn in den Blick genommen werden. Diese Entscheidung hatte nicht zuletzt innere Gründe. Denn die "Sortenreinheit" der Gattung ist in den Neuerscheinungen der letzten Jahre keineswegs mehr der Normalfall. Wer sind diese Nachbarn? Worin besteht die Nachbarschaft? Hat der eine oder andere dieser Nachbarn heute eine besondere Konjunktur? Besteht eine Tendenz zur Vermischung der Grenzen? Das sind nur einige der Fragen, die sich bei der Konzeption des Aphoristikerreffens 2015 unmittelbar ergaben.

"Literarische Kleinformen" - das ist der Begriff, unter den die Literaturwissenschaft diese benachbarten Formen fasst. Dazu gehören im Wesentlichen: die Anekdote, an deren Zweiteilung sich die Grenze zu den größeren, rein epischen Textsorten exakt bestimmen lässt, der Witz und das Rätsel, die sich schon umgangssprachlich von ihrer Intention her abgrenzen lassen, und das Epigramm, das in der Regel durch seine gebundene Form zu bestimmen ist, des Weiteren und kernhaft das Sprichwort, die in der griechischen und römischen Antike gründenden Formen Apophthegma und Sentenz, weiter die Maxime mit ihrer inhaltlich bestimmten und das Fragment mit seiner an eine literarische Epoche geknüpften Sonderbedeutung, schließlich der Aphorismus als für die Moderne besonders bedeutsame und ertragreiche Textsorte.

Der nun vorliegende Begleitband dokumentiert nicht nur die verschiedenen Tagungsbeiträge, sondern enthält u.a. auch Aphorismen der Teilnehmer.


Volker Pirsich & Isabel Stolzenburg (Hg.): "Zeitenweise Hamm"

Literaturtipp

Volker Pirsich & Isabel Stolzenburg (Hg.): "Zeitenweise Hamm"

Dr. Volker Pirsich & Isabel Stolzenburg M.A. (Hg.): Zeitenweise Hamm. Eine Hammer Literaturgeschichte in Autorenporträts, Druck: B & B Druck GmbH, Hamm 2015.

In den Jahren 2012 und 2013 fand das große Literaturfestival literaturland westfalen statt. Die Stadtbüchereien Hamm beteiligten sich an daran mit einer Vielzahl von Veranstaltungen, indem sie bestehende Projekte integrierten oder sich an Projekten anderer Träger im Rahmen des Festivals beteiligten.

Darüber hinaus konnte eine eigens für literaturland westfalen konzipierte Projektreihe realisiert werden: "Zeitenweise Hamm". Ziel war es, literaturinteressierten Bürgerinnen und Bürgern Hammer Stadt- und Literaturgeschichte zu vermitteln, die bisher nicht Gegenstand der städtischen Literaturveranstaltungen war. Im Zeitraum 12. April bis 26. Juni 2013 wurde an zehn verstorbene Autorinnen und Autoren erinnert, die in Hamm geboren wurden und/oder eine Zeit ihres Lebens in Hamm gelebt und gearbeitet haben. Jede Veranstaltung bestand aus einem Vortrag zu Leben und Werk des/der Autors/in und einer Werkprobenlesung.

Für die zehn Vorträge - die nun in Form einer Dokumentation vorliegen - konnten Referenten gewonnen werden, die über die Autor/innen bereits veröffentlicht hatten oder die sich bereit erklärt hatten, einen Vortrag eigens zu erarbeiten. Dabei spannte sich der geschichtliche Bogen vom späten 17. Jahrhundert bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Erinnert wurde an Katherine Allfrey, Gerda Brockmann, Rulemann Friedrich Eylert, Peter Hille, Heinrich Luhmann, Wilhelm Neuhaus, Clara Ratzka, Anna und Hans Siemsen und Bruno Wittchen - Autorinnen und Autoren, die kleinere und größere Literaturgeschichte geschrieben haben und zeitenweise ihre Spuren in Hamm hinterlassen haben.


Else Lasker-Schüler: "Das Peter Hille-Buch"

Literaturtipp

Else Lasker-Schüler: "Das Peter Hille-Buch"

Else Lasker-Schüler: Das Peter Hille-Buch, nach der Erstausgabe von 1906, mit einem Nachwort von Walter Gödden, Coesfeld: Elsinor Verlag 2015.

Peter Hille (geb. 1854 in Erwitzen bei Nieheim, gest. 1904 in Berlin) war eine zentrale Figur der Berliner Boheme - eindrucksvoll nicht nur durch sein Werk, sondern auch durch seine Persönlichkeit.

Eng befreundet war er mit der Lyrikerin Else Lasker-Schüler. Nach Hilles frühem Tod widmet sie dem Gefährten ihre erste große Prosaarbeit, einen Hymnus auf Hille, genannt "Petrus der Felsen". Das biographisch grundierte, in einer hochexpressiven Sprache verfasste Werk deutet den gemeinsamen Weg als Reise durch eine mythische Welt.


Dieter Treeck: "Ich hab noch ein Bein von Dir"

Literaturtipp

Dieter Treeck: "Ich hab noch ein Bein von Dir"

Dieter Treeck: "Ich hab noch ein Bein von Dir". Poesie des Alltags. Zeichnungen von Henryk Bzdok, Bochum: Brockmeyer 2015.

Vers-Satiren, Couplets, Chansons und Alltagspoesie aus der "Wort-Werkstatt" des Dortmunder Satirikers, Poeten und Erzählers Dieter Treeck unter einem provokant-augenzwinkernden Titel. Es sind Texte aus zwanzig Jahren, in denen der Autor vor allem Liedtexte, aber auch leichtfüßige und schräge Verse notierte, in denen er wort-spielerisch die Besonderheiten des Alltäglichen aufspürte. Gedichte, in deren Zeilen sich die - mitunter frivolen - Gedanken frech-fröhlich biegen.

Von besonderem Reiz sind auch die Gedichte, die besonderen Anlässen gewidmet sind: satirische Impressionen von Ungarn-Reisen etwa, Geburtstags-Widmungen abseits aller Rituale und nicht zuletzt auch deutsche Nachdichtungen ungarischer Kabarett-Chansons aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Dieter Treeck wurde 1936 in Dortmund geboren, er ist Erzähler, Lyriker, Chanson- und Kabarett-Autor und lebt und arbeitet nach wie vor in seiner Geburtsstadt.

Der in Katowice (Polen) lebende Zeichner Henryk Bzdok hat den Texten seines Freundes Dieter Treeck eigene Bild-Kommentare beigegeben. Bereits seit 1979 arbeitet der 1937 geborene Künstler, der an der Akademie der Schönen Künste in Krakau Malerei und Grafik studierte und bisher Ausstellungen in Montreal (Kanada) und in vielen europäischen Galerien und Museen hatte, mit dem Dichter Dieter Treeck in den Bereichen Mail-Art, Stadtgestaltung, grafische Projekte und Illustration zusammen.


Jürgen Banscherus & Ralf Butschkow (Illustr.): "Milli & Magnus. Der verschwundene Baron"

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Jürgen Banscherus & Ralf Butschkow (Illustr.): "Milli & Magnus. Der verschwundene Baron"

Jürgen Banscherus u. Ralf Butschkow (Illustr.): Milli & Magnus. Der verschwundene Baron, Köln: Baumhaus 2015.

Eine irrwitzige und turbulente Freundschaftsgeschichte vom Erfolgsduo Jürgen Banscherus und Ralf Butschkow, die auch gemeinsam an den Büchern aus der Reihe "Ein Fall für Kwiatkowski" arbeiten.

Milli ist groß. Sehr groß. Und sie ist eine der besten Diebinnen der Welt. Deshalb hat sie auch den Auftrag erhalten, in die als uneinnehmbar geltende Sternenburg einzubrechen. Dort soll sie einen wertvollen Schatz aufspüren. Für eine ausgebuffte Diebin wie sie kein Problem. Doch der Burgbesitzer Magnus - klein, aber clever - ertappt sie auf frischer Tat und will nun zu Millis Überraschung, dass sie als Leibwächterin für ihn arbeitet. Von wegen! Milli plant, so rasch wie möglich auszubüxen. Aber da wird der kleine Baron entführt. Und wer, wenn nicht Milli, kann ihn retten?

Mit kurzen Kapiteln, vielen liebevollen Illustrationen und einer spannenden, aber nicht gruseligen Geschichte ist "Milli & Magnus" ein Kinderkrimi zum Lesen und Vorlesen, der sich für Kinder ab sechs Jahren eignet.


Susanne Schulte (Hg.): "So verstehen wir. Texte über das Verstehen"

Literaturtipp

Susanne Schulte (Hg.): "So verstehen wir. Texte über das Verstehen"

Susanne Schulte (Hg.): So verstehen wir. Texte über das Verstehen, Münster: Waxmann Verlag 2014.

Nichts ist so selbstverständlich wie zu verstehen. Doch was heißt es, mich selbst, einen anderen, gar einen bösen Menschen, einen Sachverhalt oder Text, eine andere Kultur zu verstehen? Verstehen versteht sich nicht von selbst.

Dieser Band versammelt die Vorträge der Magus Tage Münster 2013, die unter der Überschrift "ach so verstehen wir" standen. Renommierte Experten aus Literatur, Kriminologie, Philosophie und Theater, aus Neurowissenschaft, Sprachmittlung, Forensischer Psychiatrie und Soziologie reflektieren den Sinn, die Bedingungen, Formen und Grenzen des Verstehens. Zudem findet sich die ausgezeichnete Antwort auf die Magus-Preisfrage und, neben den Laudationes auf die beiden Preisträger, ein Beitrag des Hamann-Forschungspreisträgers 2013 sowie die Originaltexte, die im Rahmen des literarischen Projekts der Magus Tage dieses Jahres in Kaliningrad-Königsberg entstanden.

Die Magus Tage Münster fanden 2013 zum zweiten Mal statt. Sie knüpfen inhaltlich an Johann Georg Hamann (1730 Königsberg - 1788 Münster), den "Magus in Norden", an, indem sie Probleme, die ihn umtrieben und die auch heute noch nicht gelöst sind, im Kontext aktueller Diskurse in die Öffentlichkeit tragen.

Mit Beiträgen von
Eric Achermann, Jörg Albrecht, Boris Bartfeld, Marina Döring, Jean Grondin, Hendrik Jackson, Olga Klimecki, Wilhelm Kühlmann, Axel Petermann, Marion Poschmann, Boike Rehbein, Charles de Roche, Nahlah Saimeh, Magnus Schlette, Wilhelm Schmidt-Biggemann, Oliver Scholz, Zeha Schröder, Susanne Schulte.
Mehr zu den Magus Tagen 2013>>


Peter Schütze: "Die Brüder des Löwen. Eine westfälische Chronik aus dem 12. Jahrhundert"

Literaturtipp

Peter Schütze: "Die Brüder des Löwen. Eine westfälische Chronik aus dem 12. Jahrhundert"

Peter Schütze: Die Brüder des Löwen. Eine westfälische Chronik aus dem 12. Jahrhundert, Holzminden: Verlag Jörg Mitzkat 2014.

Macht- und Klostergeschichte im Mittelalter aus der Perspektive einer Frau: Lutrudis, Tochter des Widekind von Schwalenberg, blickt auf die Zeit zwischen 1128 und 1186 zurück. 1128 hat sie als kleines Mädchen die Gründung des Klosters Marienmünster nahe der Reichsabtei Corvey miterlebt, 1185/86 stiftet Lutrudis gemeinsam mit ihrem Sohn Widukind von Rheda und dessen Waffenbruder Bernhard zur Lippe das Kloster Marienfeld im Münsterland.

Dieser Zeitraum war für die Entstehung des Herzogtums Westfalen von entscheidender Bedeutung - die Grafen und der Burgadel suchten mit Hilfe der Kirche Einfluss und Besitz zu erweitern und Herzog Heinrich der Löwe stieg zum mächtigsten Reichsfürsten auf. Die "Brüder" des Löwen, seine westfälischen Vasallen und Lehnsmänner stehen mit ihrer Treue und ihrem Verrat im Mittelpunkt des Romans, dessen Handlung in der Liebes- und Lebensgeschichte Lutrudis‘ reflektiert wird.

"Die Brüder des Löwen" von Peter Schütze bieten nicht nur wesentliche Ausschnitte regionaler Geschichte, sondern darüber hinaus ein farbiges Abbild jener großen Zeit politischer Umwälzungen, auf die der Schatten zweier großer Potentaten fällt: Friedrich Barbarossa und Heinrich der Löwe.


Michael Starcke: "von oben winzige punkte"

Literaturtipp

Michael Starcke: "von oben winzige punkte"

Michael Starcke: von oben winzige punkte. gedichte, Bochum: Früher Vogel 2014.

Über den neuen Gedichtband von Michael Starcke schreibt der Autor Rainer Küster: "Diese Sammlung zeigt erneut, wie nah sich beide sind, die lyrischen Produkte des Dichters Michael Starcke und die Welt, in der er lebt und schreibt. Vorsichtig, manchmal zögernd in der Diktion, beschwört er Wirklichkeiten, die, kaum der Banalität des Alltags entronnen, mit sanfter Hand in metaphorische Spielräume überführt werden ... Starcke begreift seine Gedichte als „Leuchttürme in der Brandung“; mit dem Sprecher der Texte dürfen Leserinnen und Leser vertraute Räume und Zeiten durchschreiten. Nichts ist hier hermetisch verriegelt oder verrätselt, Starckes Sprache lädt vielmehr ein zum Dialog ... Wer so einfühlsam schreibt, liebt die Menschen, kennt aber auch die Abgründe ihrer Welten ..."

Michael Starcke, geb. 1949 in Erfurt, lebt seit den sechziger Jahren in Bochum. In den vergangenen 35 Jahren veröffentlichte er diverse Gedichtbände und beteiligte sich an mehreren Anthologien. Für sein Schaffen wurde der deutsche Lyriker bereits mit mehreren Auszeichnungen bedacht, so etwa mit dem Literatur-Arbeitsstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Alfred-Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur und dem Lyrischen Lorbeer in Gold. Am 1. März 2015 präsentiert Michael Starcke seine Gedichte zusammen mit Thorsten Trelenberg in Unna.
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Karl Ditt u.a. (Hg.): "Westfalen in der Moderne 1815–2015. Geschichte einer Region"

Literaturtipp

Karl Ditt u.a. (Hg.): "Westfalen in der Moderne 1815–2015. Geschichte einer Region"

Karl Ditt u.a. (Hg.): Westfalen in der Moderne 1815–2015. Geschichte einer Region, Münster: Aschendorff Verlag 2014.

Das Bild Westfalens wird vielfach von Klischees bestimmt: Schinken und Pumpernickel, Hermannsdenkmal und Wasserburgen, Parklandschaften und Talsperren, sogar wogende Kornfelder vor Zechentürmen dienen als Erkennungsmarken und sollen eine weitgehende Harmonie von Natur und Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft symbolisieren. Ein Blick in die Geschichte dieser Region während der vergangenen zweihundert Jahre offenbart jedoch manche Gegensätze: Ausgeprägte konfessionelle, politische und soziale Konflikte, agrarisch-ländliche Idylle und sprichwörtliche Bodenständigkeit auf der einen, industriell geprägte Großstädte und Zuwanderung von Hunderttausenden aus Osteuropa und dem Mittelmeerraum auf der anderen Seite.

Solche Kontraste und Fragmentierungen lassen sich nicht ohne historische Perspektive einordnen und erklären. Diese neue Gesamtdarstellung zur jüngeren Geschichte Westfalens, die anlässlich des 200. Jahrestages der Konstituierung als preußischer Provinz im Jahr 1815 erschienen ist, verdeutlicht sowohl die Wirkung nationaler und internationaler Entwicklungen auf die Region als auch die Impulse, die von ihr selbst ausgingen. Erkennbar werden damit charakteristische Strukturen und Prägungen des "modernen" Westfalens.

Mit Beiträgen von
Karl Ditt, Martin Dröge, Matthias Frese, Matthias Frölich, Bernd Holtwick, Christopher Kopper, Markus Küpker, Thomas Küster, Sabine Mecking, Gerd Meier, Katrin Minner, Julia Paulus, Rainer Pöppinghege, Michael Prinz, Thomas Spohn, Bernd Walter und Marcus Weidner.


Udo Weinbörner: "Zart will ich Dich berühren"

Literaturtipp

Udo Weinbörner: "Zart will ich Dich berühren"

Udo Weinbörner: Zart will ich Dich berühren, Gedichte, mit schwarz-weiß Fotografien von Gerhard Notzem, Geleitwort von Michael Starcke, Bochum: Universitätsverlag Brockmeyer 2014.

Auf 150 Seiten, Gedichte ausgewählt aus 30 Jahren, zusammengestellt in einer handsignierten, limitierten Auflage. Zusammen mit den Bildern des Werler Fotografen Gerhard Notzem ein Leseereignis und das Buch ein Liebhaberstück zugleich. Die jetzt vorliegenden Liebesgedichte, Zeitgedichte, Gedichte vom Glauben und Heimatgedichte sind thematischen Schwerpunkten zugeordnet und auf eine spannende und höchst anspruchsvolle Art unterschiedlich. Der Lyrikband bezaubert bei den Liebesgedichten mit einfühlsamen Metaphern, scheut dabei oft auch nicht Reim und Versmaß. Viele der Gedichte sind inzwischen nicht von ungefähr bereits vertont. Soziales Engagement, experimentelle Lyrik und Gedichte in der Tradition der Literatur der Arbeitswelt zeigen im anschließenden Kapitel einen Dichter, der alltagssprachenmächtig nicht im Elfenbeinturm wohnt. Sehr persönliche Eindrücke eröffnen sich dem Leser in den Glaubensgedichten und in den in ihrer Art ganz besonderen Gedichten über den Geburtsort Plettenberg in Westfalen.

Udo Weinbörner, geb 1959 in Plettenberg (Westfalen), lebt in Meckenheim bei Bonn. Er ist Autor von zahlreichen Sachbüchern und Romanen. 2005 erschien sein erfolgreicher historischer Roman "Schiller/Der Roman", 2010 der Roman "Der General des Bey/Das abenteuerliche Leben des Amrumer Schiffsjungen Hark Olufs", und 2013 der Roman "Georg Büchner/Das Herz so rot" und die Erzählungen "Goethe, Schiller & Company". Am 23. November 2014 wird Udo Weinbörner mit dem "Alfred- Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur" ausgezeichnet.
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Else Ury: "Nesthäkchen und der Weltkrieg" (Neuauflage)

Literaturtipp

Else Ury: "Nesthäkchen und der Weltkrieg" (Neuauflage)

Else Ury: Nesthäkchen und der Weltkrieg, Neuauflage mit einem Vorwort von Marianne Brentzel, Vechta: Geest-Verlag 2014.

Else Urys "Nesthäkchen und der Weltkrieg. Eine Erzählung für Mädchen von 8-12 Jahren" erschien erstmals 1922 als Band 4 der äußerst populären und erfolgreichen Nesthäkchen-Serie in Meidinger’s Jugendschriften Verlag in Berlin.

Else Ury schildert in dieser Reihe auf der Basis eines traditionellen Frauen- und Familienbildes das Leben der Annemarie Braun von der Kindheit bis ins Alter. Im 10. Band darf sie sogar ihren ersten Urenkel willkommen heißen. Nach vielen Neuauflagen gab es 1983 eine Verfilmung der ersten drei Bände des Nesthäkchens für das ZDF.

Im Gegensatz zu allen anderen neun Bänden dieser Reihe erlebte der 4. Band nach 1945 keine Neuauflage in Westdeutschland mehr. Doch zu sehr "Hurrapatriotismus"? Erlag Else Ury wie so viele ihrer SchriftstellerkollegInnen in den ersten Kriegsjahren dem nationalistischen Denken? Immerhin landete das Buch 1945 auf der Zensurliste der alliierten Kontrollbehörden.

Es erscheint angemessen, 100 Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs der Frage der diesem Band zugrunde liegenden Werte genauer nachzugehen. Daher erschien nun eine Neuauflage des Jugendbuchs, der ein ausführliches Vorwort von Marianne Brentzel vorangestellt wird. Die Dortmunder Autorin hat sich wie keine andere Forscherin mit Leben und Werk von Else Ury auseinandergesetzt und 1992 ihre Biografie unter dem Titel "Nesthäkchen kommt ins KZ" veröffentlicht (2007 in überarbeiteter und ergänzter Form neu aufgelegt unter dem Titel "Mir kann doch nichts geschehen").

Im Rahmen einer Matinée auf Zeche Zollern am 16. November gibt Marianne Brentzel zudem eine persönliche Einführung in die Neuauflage und liest aus Originaldokumenten.
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Erasmus Herold: "Und ich richte ohne Reue"

Literaturtipp

Erasmus Herold: "Und ich richte ohne Reue"

Erasmus Herold: Und ich richte ohne Reue, Hameln: CW Niemeyer Buchverlage 2014.

Gütersloh im Sommer 2013. Für gewöhnlich recherchieren Sarah Berger und Ahmet Yilmaz als Team. Nicht so dieses Mal. Während sich die Kommissarin für eine Woche auf Weiterbildung nach Hameln begibt, wird sie vom Leiter der Schulungsakademie um Unterstützung gebeten. Dessen Sohn verursachte einen Unfall mit Todesfolge. Die Tatumstände sind mysteriös und der Fall von offizieller Seite viel zu schnell abgeschlossen. Doch ehe Sarah sich versieht, gerät sie in eine Falle und ihre Hilfsbereitschaft bedroht ihr Leben.

Zur gleichen Zeit tritt der neue Vorgesetzte, Hauptkommissar Gero Berneiser, seinen Dienst in Gütersloh an. Schnell wird klar, er hat ganz eigene Vorstellungen, wie seine Mordkommission funktionieren soll. Ein heimtückischer Baustellenmord wird zu Ahmets neuem Fall. Nichts Außergewöhnliches denkt er noch, da erschüttert eine zweite, wesentlich gewalttätigere Bluttat die Stadt. Gemeinsame Indizien verbinden die beiden Fälle. Hauptkommissar Berneiser mischt die Teams und stellt Ahmet eine junge Kollegin zur Seite. Offensichtlich harmonieren die beiden nicht nur beruflich.

Der dritte in sich abgeschlossene Fall für Kommissarin Sarah Berger und ihr Team.


Andrea Gerecke: "Tödliche Begegnung im Moor"

Literaturtipp

Andrea Gerecke: "Tödliche Begegnung im Moor"

Andrea Gerecke: Tödliche Begegnung im Moor, Hameln: CW Niemeyer Buchverlage 2014.

"Tödliche Begegnung im Moor" heißt der neue Minden-Krimi von Andrea Gerecke, der im Herbst erscheint. Auch der 4. Fall von Kommissar Alexander Rosenbaum (nach "Mörderischer Feldzug", "Der Tote im Mittellandkanal" und "Die Mühlen des Todes") greift  wieder lokale Besonderheiten auf.

Eine Vermisstenanzeige macht Kriminalhauptkommissar Alexander Rosenbaum zu schaffen. Er glaubt nicht an eine Entführung und auch nicht daran, dass Oswald Zehner plötzlich untergetaucht sein könnte. Sein Bauchgefühl sagt ihm, dass der angesehene Geschäftsmann ermordet worden ist, aber sein angeschlagenes Nervenkostüm behindert ihn bei seiner Ermittlungsarbeit. Als Naturfreund Walther Siekmeyer eine Leiche im Moor findet, bestätigt sich Rosenbaums Vermutung. Ist Zehner, dessen Firma ehemalige Sowjetrepubliken mit Medizintechnik versorgt, das Opfer unseriöser Geschäfte und krimineller Machenschaften geworden?

Die Premierenlesung findet am 15.10.2014 um 19:30 Uhr in Minden statt.
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Henning Isenberg: "Das Friedrich-Lied"

Literaturtipp

Henning Isenberg: "Das Friedrich-Lied"

Henning Isenberg: Das Friedrich-Lied. Historischerr Initiations-Roman, 1. Buch, Hamburg: tredition 2014.

Einer der berühmtesten Kriminalfälle des 13. Jahrhunderts beschäftigt die Gemüter wie kein anderer. In seinem Doppelroman entführt uns der Stuttgarter Autor mit westfälischen Wurzeln Henning Isenberg - erstmalig aus der Sicht der Täter - in den Vogtei-Streit zwischen Erzbischof Engelbert von Köln und seinem Großneffen Friedrich.

Friedrich ist ein junger Novize im Kloster St. Gereon zu Köln. Eigentlich sollte er als Zweitgeborener sein Leben im Dienste der Kirche verbringen, doch nach dem Tod seines Bruders und des Vaters muss er letzterem in der Grafschaft nachfolgen und gerät in den Machtkampf zwischen Kirche und Adel. So kämpft er sich im ersten Buch im Heer Kaiser Ottos Jerusalem entgegen. Doch wird er die Heilige Stadt nie sehen. Der Konflikt mit den Staufern zieht den Welfen-Kaiser zurück in deutsche Lande.

Zurück in der Heimat erobert Friedrich das Herz der angebeteten Sophie von Limburg. Gleichzeitig wendet sich das politische Blatt zugunsten der Staufer und Friedrichs Großonkel Engelbert wird der mächtigste staufische Statthalter im Nordreich. Er will sich der Vogteien bemächtigen. Die Vögte verbünden sich gegen Engelbert von Köln, an deren Spitze plötzlich Friedrich steht.

Mit seinem Erstling legt Henning Isenberg einen sehr gut recherchierten und sowohl sprachlich als auch inhaltlich bemerkenswerten Roman vor. Eine abenteuerliche Erkenntnisreise zwischen Mittelalter, Psychologie, Mythologie, das Abendland umspannend und sehr lesenswert. Das "Friedrich-Lied" ist 2014 als Paperback und eBook bei tredition erschienen und umfasst ca. 800 Seiten in zwei Bänden.

Henning Isenberg, geboren am 23. Mai 1966, wuchs in Iserlohn auf. Nach Ausbildung und Studium lebt und arbeitet er heute in Stuttgart und ist Vater von zwei Kindern. Neben dem Schreiben arbeitet er als systemischer Berater und Coach. Von 2009 bis 2010 besuchte er die Schreibwerkstatt von Jürgen Kehrer im Literaturhotel Franzosenhohl. Er veröffentlichte Fachartikel in Wirtschaftsmagazinen und eine historische Reihe über den Welfenkaiser Otto von Braunschweig. 2014 legte er mit dem "Friedrich-Lied" seinen ersten Roman vor.


H.P. Karr, Herbert Knorr, Sigrun Krauß (Hg.): "Sexy.Hölle.Hellweg"

Literaturtipp

H.P. Karr, Herbert Knorr, Sigrun Krauß (Hg.): "Sexy.Hölle.Hellweg"

Sexy.Hölle.Hellweg. Mord am Hellweg VII, hg. von H.P. Karr, Herbert Knorr, Sigrun Krauß, Dortmund: Grafit Verlag 2014.

Einzigartig unartig - 21 Autor(inn)en entdecken die verruchte Seite des Hellwegs.

Kurz vor dem Start von "Mord am Hellweg VII" beweisen 21 renommierte Krimiautor(inn)en, dass die Region entlang des westfälischen Hellwegs alles ist - außer brav. Exklusiv für die neue Anthologie haben sie entlang des Hellwegs recherchiert und lokale Kurzgeschichten verfasst. Was in diesem Jahr aus Bordellen, Ehebetten, Lasterhöhlen und vom Straßenstrich zusammengetragen wird, war noch nie so verrucht und mörderisch zugleich.

Lassen Sie sich anmachen von: Marc-Oliver Bischoff (Lünen), Martin Calsow (Oelde), Osman Engin (Ahlen), Lucie Flebbe (Holzwickede), Peter Gerdes (Wickede), Nina George (Hamm), Peter Godazgar (Bergkamen), Andreas Gruber (Hagen), Thomas Hoeps und Jac. Toes (Bad Sassendorf), Ralf Kramp (Kreis Unna), die Krimi-Cops (Bönen), Martin Krist (Dortmund), Tatjana Kruse (Hellweg Crime Express), Volker Kutscher (Gelsenkirchen), Sandra Lüpkes (Schwerte), Beate Maxian (Herdecke), Ingrid Noll (Stadt Unna), Jutta Profijt (Soest), Arno Strobel (Kamen), Sabine Trinkaus (Fröndenberg) und Gabriella Wollenhaupt (Lüdenscheid).

Im Festivalprogramm können alle Autor(inn)en und alle Geschichten zudem live erlebt werden.
www.mordamhellweg.de


Gary Flanell: "Stuntman unter Wasser"

Literaturtipp

Gary Flanell: "Stuntman unter Wasser"

Gary Flanell: Stuntman unter Wasser, Berlin: Edition Subkultur 2014.

Oft klingen die kurzen Geschichten, als hätte das Leben selbst sie geschrieben. Hat das Leben aber so nicht gemacht. Also musste Gary Flanell ran. Der Autor, Musiker und Fanzine-Herausgeber liebt die gepflegte Anarchie. Als bekennender Haferschleimkonvertit dreht er an den Vernunft-Schräubchen der zuweilen etwas öden Realität, bis Unmöglichkeiten ganz plausibel erscheinen:

Ein Stuntman braucht dringend eine Zigarette, der letzte Arbeitslose Deutschlands wird mit ganz neuen Strategien des Jobcenters konfrontiert, die kleine Spinne Pup trinkt mit Darth Vader eine Limo auf dem Todesstern, ein schwarzer Anzug passt nicht, das Berliner Großstadtleben zeigt seine Tücken und irgendwo ist ein Ufo gelandet.

Ein Buch voller Revolveroptimismus, schöner Geräusche, und - gibt’s denn sowas? - mit einem Backstein-Mobile.

Gary Flanell ist Off-Kultur Journalist aus Leidenschaft. Und ein würdevoll erwachsen gewordener, immer noch praktizierender Punkrock/Independent Musiker. Geboren 1973 in der westfälischen Provinz, genauer gesagt in der Stadt, in der die Züge geteilt werden und der größte Elefant der Welt die Nacht beleuchtet, zog es ihn vor über zehn Jahren nach Berlin. Hier lebt und arbeitet er als Journalist, Kulturarbeiter, Musiker und Radiomoderator. Mr. Flanell vertreibt sich die Zeit bis zum Ende gern mit dem Sammeln von kaputten Musikinstrumenten, der Gründung klangvoller (fiktiver) Bands ohne Fans sowie der Herausgabe des RENFIELD-Magazins, des einzigen Fachorgans für Krims & Krams & Rock’n‘Roll.
www.renfield-fanzine.blogspot.de


Trudy Ludwig & Patrice Barton (Illustr.): "Ole Unsichtbar"

Literaturtipp

Trudy Ludwig & Patrice Barton (Illustr.): "Ole Unsichtbar"

Trudy Ludwig u. Patrice Barton (Illustr.): Ole Unsichtbar, Münster: Coppenrath Verlag 2014.

"Ole Unsichtbar" zeigt, wie schon kleine Gesten dabei helfen, Freunde zu gewinnen.

Am Rande stehen und zuschauen, wie die anderen Kinder lachen. Von den Lehrern keine Aufmerksamkeit bekommen, weil die Klassenkameraden lauter schreien. Nur zu gut kennt Ole das Gefühl, übersehen zu werden. Mit "Ole Unsichtbar", dem Werk der erfolgreichen US-Autorin Trudy Ludwigs, veröffentlicht der Coppenrath Verlag ein Bilderbuch für Kinder ab 3 Jahren, das sich mit dem Thema Außenseitertum beschäftigt.

Ole hätte so gerne einen Freund, doch er wird von seinen Klassenkameraden nicht beachtet. Wenn die anderen Kinder Mannschaften wählen, bleibt Ole als Letzter übrig; zu Geburtstagsfeiern wird er nicht eingeladen; auch in der Mittgaspause will niemand neben ihm sitzen. Immer, wenn die Klassenkameraden ihm den Rücken zudrehen, zieht Ole sich zurück. Dann malt er Bilder von Drachen, Piraten und Superhelden, die tolle Abenteuer erleben und Freunde finden. Nie gibt Ole die Hoffnung auf, dass auch er eines Tages einen Freund findet und beachtet wird - und eines Morgens kommt ein neuer Mitschüler in die Klasse und plötzlich wird alles anders.

Liebevoll bebildert von Patrice Barton, spricht "Ole Unsichtbar" die stilleren Kinder an, die damit zu kämpfen haben, Freundschaften zu schließen. Das Buch setzt sich mit der Gefühlswelt dieser Kinder auseinander, die von den Klassenkameraden ins Abseits gedrängt werden, und präsentiert ihnen einen lebensnahen Lösungsansatz.


Walter Gödden & Arnold Maxwill (Hg.): "Literatur in Westfalen"

Literaturtipp

Walter Gödden & Arnold Maxwill (Hg.): "Literatur in Westfalen"

Literatur in Westfalen, Beiträge zur Forschung 13, hg. von Walter Gödden und Arnold Maxwill, mit einem Sonderteil zu Leben und Werk Arnold Leiferts (1940-2012), Bielefeld: Aisthesis Verlag 2014.

Bereits eine Auswahl an Titeln seiner Gedichtbände - "Damit der Stein wächst", "Wenn wach genug wir sind", "Die Gewissheit der Walnüsse" – zeigt an, was den in Soest geborenen Lyriker Arnold Leifert zeitlebens im Schreiben wie auch im Leben beschäftigte: die Bindungen zwischen Mensch und Natur – und damit auch der allen Widrigkeiten trotzende Versuch einer harmonischeren Gleichmäßigkeit. Weshalb aber mit den Mitteln der Poesie? Hier fand Leifert die formalen Mittel, die eigene wie auch die allgemeine Aufmerksamkeit zu schärfen. Dies gilt für die sogenannten Faktengedichte Leiferts aus den 1970er Jahren, in denen er Annoncen, Statistiken und Zeitungsmeldungen zu Lyrik mit gesellschaftspolitischer Dringlichkeit umgestaltete, ebenso wie für die darauffolgenden, von einer sehr bewussten Reduktion und Präzision geprägten Gedichte, in denen das wachfragende Miterleben im Gang der Jahreszeiten die Textform präfigurierte.

Die vorliegenden Beiträge präsentieren ein breites Spektrum zu Leben und Werk Arnold Leiferts und laden zur Auseinandersetzung mit seiner Lyrik ein. In den Interviews und Essays stehen neben frühen Aktivitäten Leiferts vor allem der Lyrikweg Much und das Ineinanderspiel von Natur und Lyrik im Fokus. Neben einer Auswahl an Gedichten kommen auch die Nachworte zu Leiferts Gedichtbänden sowie weitere, entlegen publizierte Texte zum Wiederabdruck.

aus dem Vorwort von Arnold Maxwill


Emmi Beck, Josef Damberg u.a.: "Treffpunkt Schlanke Mathilde"

Literaturtipp

Emmi Beck, Josef Damberg u.a.: "Treffpunkt Schlanke Mathilde"

Emmi Beck, Josef Damberg, Michael Genschoreck, Christine Goral-Görgen, Juliane Lachner, Aurora Lenz, Wulfhild Tank: Treffpunkt Schlanke Mathilde. Ein Hörde-Roman, projekt verlag, Bochum/Freiburg 2014.

Sieben Autorinnen und Autoren der Hörder Schreibwerkstatt im Café Aufbruch haben unter professioneller Anleitung des Dortmunder Schriftstellers Ralf Thenior einen Roman verfasst:

Vor nicht allzu langer Zeit wurde hier in Hörde noch Stahl gekocht, und dort, wo die Hochöfen standen, fahren jetzt Segelboote über den künstlichen Phoenix-See. Nichts ist mehr so wie früher. Nicht, dass die Alteingesessenen ihre "Hütte" mit dem Schmutz und Lärm vermissen würden. Sie hadern mit den veränderten Gegebenheiten in ihrem Stadtteil.

Der junge Alex blickt hoffnungsfroh in die Zukunft und versucht gemeinsam mit seiner Freundin, eine eigene Zukunft aufzubauen. Dann taucht auch noch dieser neugierige Amerikaner auf. Ist er ein Immobilienmakler, der eine günstige Gelegenheit sucht, eines der älteren Jugendstilhäuser aufzukaufen, um daraus teure Eigentumswohnungen zu machen? Warum sucht er den Kontakt zu den Bürgern? Gibt er sein Geheimnis frei?

Die sieben AutorInnen schicken ihre Protagonisten auf Zeitreisen, lassen Erinnerungen an das "alte Hörde" wach werden, beschreiben Erlebnisse, zwischenmenschliche Beziehungen, Begegnungen und Wunschbilder, die ihre Figuren lebendig werden lassen. Thema ihres gemeinsamen Schreibprojekts waren die sozialen und kulturellen Veränderungen des Dortmunder Stadtteils Hörde – mit seinem Wahrzeichen, der "Schlanken Mathilde".


Charlotte Schroeter: "Das Gerstenberg-Haus"

Literaturtipp

Charlotte Schroeter: "Das Gerstenberg-Haus"

Charlotte Schroeter: Das Gerstenberg-Haus, historischer Roman, Eire Verlag, Salzkotten 2014.

Geseke um 1635: Pest, Judenpogrom und Hexenverfolgung und eine dramatische Familiengeschichte.

Eine unehrenhafte Verbindung bringt die wohlhabende Familie Gerstenberg zu Fall. Die Tochter Bettlin flieht mit dem jüdischen Bankier Salomon Levy aus der Hellwegstadt Geseke. Der Ausbruch der Pest macht die Menschen empfänglich für Vorurteile und Aberglaube und schon bald muss Johann Gerstenberg kämpfen - um seine Familie, sein Ansehen und seinen Besitz.


Michael Ebmeyer: "Das Spiel mit Schwarz-Rot-Gold"

Literaturtipp

Michael Ebmeyer: "Das Spiel mit Schwarz-Rot-Gold"

Michael Ebmeyer: Das Spiel mit Schwarz-Rot-Gold. Über Fußball und Flaggenfieber, KEIN & ABER, Zürich 2014, ISBN 978-3-0369-5697-8.

Nicht zufällig Anfang Mai, kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft, erscheint das Buch "Das Spiel mit Schwarz-Rot-Gold. Über Fußball und Flaggenfieber" des aus Bielefeld stammenden Autors Michael Ebmeyer. Ein Essay über Fußball mit und ohne Beflaggung, über das Bielefeldgefühl, Arminia Bielefeld, Gemeinschaftsstolz und die Frage, welche Chancen und Gefahren darin liegen, wenn im kommenden Sommer wieder überall die Deutschland-Flaggen wehen werden.

Auf der Suche nach Antworten wirft der Autor einen vergleichenden Blick in die Welt, etwa ins WM-Gastgeberland Brasilien und die dortigen Proteste gegen den Fifa-Fußball; eine dünkelfreie und trotzdem kritische Liebe zum Fußballsport; und eine klare und wachsame Abgrenzung der neuen Wir-Gefühle gegen Vereinnahmungen von rechts.


Nadine d’Arachart & Sarah Wedler: "Watcher - Ewige Jugend"

Literaturtipp

Nadine d’Arachart & Sarah Wedler: "Watcher - Ewige Jugend"

Nadine d’Arachart und Sarah Wedler: Watcher. Ewige Jugend (Die Niemandsland-Trilogie, Band 1), E-Book, Impress 2014.

London, wie es die Großväter unserer Großväter einmal kannten, gibt es nicht mehr. Übrig geblieben ist eine einzige Stadt, umgeben von hohen Mauern, die es von dem abtrennen, was da draußen ist - dem Niemandsland.

Dieses düstere Szenario beschreiben Nadine d’Arachart und Sarah Wedler in ihrer Dystopie "Watcher - Ewige Jugend". Das E-Book ist der erste Band der Niemandsland-Trilogie, Teil 2 und Teil 3 folgen im Laufe des Jahres. Nach drei Kriminalromanen, von denen das Debüt "Die Muse des Mörders" gerade verfilmt wird, legen die Autorinnen damit ihren ersten Fantasyroman vor.

Das London der Zukunft beherbergt im Roman des Autorinnenduos die Reichen, die Glück gehabt haben, die Armen, denen nichts mehr bleibt, und die ewig jung Bleibenden, wie Jolette und Cy. Sie gehören nicht zu den Glücklichen, nicht zu den Unglücklichen, und auch nicht zu den Todgeweihten aus dem Niemandsland. Sie sind die Watcher, ausgestattet mit Fähigkeiten, die sie zu gnadenlosen Kriegern machen. Ihre alleinige Aufgabe ist es, das Einzige, das alle am Leben erhalten könnte, vor den Todgeweihten zu schützen und jegliche menschliche Emotion dabei abzuschalten. Sie führen ein perfektes Leben. Bis sich Jolette und Cy eines Tages begegnen …

Nadine d’Arachart und Sarah Wedler, geboren 1985 und 1986 in Hattingen, schreiben seit fünfzehn Jahren gemeinsam. Ihr erster Roman "Die Muse des Mörders" ist 2012 erschienen und wird momentan fürs ZDF verfilmt. Es folgten die Thriller "Abgründe" (2012) und "Nebelflut" (2013) sowie die Kurzgeschichtensammlung "Linie 14, letzte Reihe, ich" (2013). Sie erhielten verschiedene Preise für ihre Kurzgeschichten und Drehbuchideen, zuletzt wurden sie mit dem Förderpreis des Literaturbüro Ruhr ausgezeichnet.
www.write-fever.de
www.facebook.de/darachart.wedler


Sulaiman Masomi: "Ein Kanake sieht rot"

Literaturtipp

Sulaiman Masomi: "Ein Kanake sieht rot"

Sulaiman Masomi: Ein Kanake sieht rot, Paderborn: Lektora Verlag 2014.

Sulaiman hat eine Bombe. Ja , richtig. Und damit reizt er nicht nur die NSA. Seine Worte treffen uns urkomisch, bitterböse und direkt ins Gewissen. Er hält uns den Spiegel vor, ohne dabei wirklich mit dem Finger auf uns zu zeigen. Im Gepäck hat er neben der Bombe auch allerlei kuriose und lustige Geschichten, die so vielleicht wirklich passiert sind. Oder auch nicht.

Sulaiman Masomi, der vergesslichste Typ, an den er sich erinnern kann. Der ES weiß. Der Kanake, der rot sieht, legt endlich sein erstes Prosabuch vor. Auf rund 280 Seiten versammelt er seine gesamten Kurzgeschichten-Klassiker wie zum Beispiel "Ein Kanake sieht rot" und "Ich weiß ES", aber auch einige neue und noch unbekannte Texte.

Eine Best-of-Sammlung des bekannten Poetry-Slammers, die zehn Jahre Bühne vereint.


Friedemann Spicker & Jürgen Wilbert (Hg.): "Der Aphorismus in Westfalen"

Literaturtipp

Friedemann Spicker & Jürgen Wilbert (Hg.): "Der Aphorismus in Westfalen"

Der Aphorismus in Westfalen, hg. von Friedemann Spicker und Jürgen Wilbert, mit Illustrationen von Erich Krian, Bochum: Brockmeyer Verlag 2013.

Das literarische Genre des Aphorismus wird die "Kleine Gattung" genannt. Dabei haben seit jeher große Köpfe große Gedanken in wenige Worte gefasst und so beachtliche Beiträge zur Literaturgeschichte geleistet. Was aber macht der Aphorismus in der Region? Ist er für die regionale Autorenschaft als Genre relevant, wer beschäftigt sich mit ihm, auf welche Weise?

Das Deutsche Aphorismus Archiv in Hattingen hat sich im Festivaljahr von literaturland westfalen mit diesen Fragen auseinendergesetzt und ihnen am 20. April 2013 unter dem Titel "Aphoristiker und Aphorismen aus Westfalen" eine Sonder-Tagung gewidmet. Sehr schnell stellte sich heraus, dass die Szene der Aphoristiker in Westfalen größer ist, als zu erwarten war. Am Aphorismenwettbewerb 2012 mit insgesamt 548 Einsendungen nahmen immerhin auch über 40 Autorinnen und Autoren aus Westfalen teil. Damit nicht genug: Über zwanzig Mitglieder des Fördervereins DAphA kommen aus dieser Region.

Der nun vorliegende Sammelband überzeugt sowohl mit seinen hier zusammengestellten Aphorismen von aktuellen Autorinnen und Autoren aus Westfalen als auch den dokumentierten Ergebnissen der Tagung und vor allem der Biobibliografie der Westfälischen Aphoristiker vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Dabei ging es um eine historische Aufarbeitung, nämlich diejenigen westfälischen Aphoristikerinnen und Aphoristiker herauszuheben, die in der Gattungsgeschichte Bedeutung erlangt haben. Dazu zählen insbesondere Johann Georg Hamann (1730-1788), um die Jahrhundertwende Peter Hille (1854-1904), nach dem Zweiten Weltkrieg Gertrud von le Fort (1876-1971) und Ernst Meister (1911- 1979) sowie in der unmittelbaren Gegenwart Liselotte Rauner (1920-2005) und Hugo Ernst Käufer (geb. 1927).


Sebastian 23: "Purer Unfug"

Literaturtipp

Sebastian 23: "Purer Unfug"

Sebastian 23: Purer Unfug. Fotos von Quatsch und komische Texte, mit einem Vorwort von Torsten Sträter, Köln: WortArtisten 2013.

Was die Welt im Innersten zusammenhält, ist der unbedingte Wille zur Sinnlosigkeit. Seit geraumer Zeit wandelt Sebastian 23 mit offenen Augen und dem Finger am Abzug seiner Kamera durch die Städte und sammelt Beweise für diese These. Und wie man in diesem Buch sehen kann, gibt es davon reichlich - nach dem Unsinn des Lebens braucht man nicht lange zu suchen.

"Der Kopf ist ein Quadrat, damit man um die Ecke denken kann" - in diesem Sinne lädt der Autor und Fotograf ein, einmal genauer hinzusehen und zu erkennen, wie viel Unsinn uns eigentlich umgibt. Viele bunte Bilder und einige schwarz-weiße Texte werden auch Skeptiker überzeugen, dass die Bemühungen der Menschheit, einen seriösen Eindruck zu vermitteln, zum Erheitern verurteilt sind.


Zum Autor: >> Sebastian 23

Evelyn Barenbrügge (Hg.): "Engel, Hexen, Wiedertäufer"

Literaturtipp

Evelyn Barenbrügge (Hg.): "Engel, Hexen, Wiedertäufer"

Engel, Hexen, Wiedertäufer. Historische Geschichten aus dem Münsterland, hg. von Evelyn Baranbrügge, Münster: Waxmann 2013.

Eine literarische Zeitreise durch das Münsterland. Während in Billerbeck die Pest wütet, wird ein junges Mädchen auf dem Marktplatz zur Heiligen ausgerufen. Inmitten der Wirren des Dreißigjährigen Krieges erbeutet ein Müllergeselle mithilfe geheimnisvoller Sagengestalten einen Schatz. Und im Münster des 18. Jahrhunderts muss sich eine Hebamme wegen fortschrittlicher Arbeitsmethoden gegen die preußische Obrigkeit behaupten.

Es erwarten die Leser zwanzig historische Erzählungen aus fast 1000 Jahren Geschichte des Münsterlandes. Ob Pest, Feme oder Revolution - Freunde von historischer Literatur dürfen sich auf ein spannendes Lesevergnügen freuen.

Die versammelten Erzählungen entstanden im Rahmen des Kurzgeschichten-Wettbewerbs, den der Autorenkreis "Historischer Roman Quo Vadis" anlässlich der Historica 2013 in Billerbeck ausgeschrieben hat.


Crauss: "Schönheit des Wassers"

Literaturtipp

Crauss: "Schönheit des Wassers"

Crauss: Schönheit des Wassers, Berlin: Verlagshaus J. Franke 2013.

der fluss ist verschwiegen. kein stein,
kein frostiges gurgeln; die mädchen
sterben woanders, hier ruhen sie nur.

In 66 pseudoromantischen Kalligraphien dekliniert Crauss Wolkenphänomene, Flussläufe, Sümpfe und Steilküsten literarisch und kunstgeschichtlich durch.

Die Schönheit des Wassers besteht aus fein gefügten lyrischen Panoramen, bei denen jedes Wort sitzt. Crauss, der sich spielerisch in allen poetischen Tonlagen bewegt, setzt in diesem Band auf eine filigrane Konstruktion, die wie ein Fraktal an allen Enden züngelt, brandet, schäumt und wogt.

Elementare Erotik auf engstem Raum: streng, zurückhaltend, dann wieder in einem Schwall aufbrechend; hier nähert sich ein leidenschaftlicher poeta doctus nicht kühl, sondern voller Hingabe seinem maritimen Gegenstand.

Der Dichter malt Veduten aus gefährlichem Frauenduft und stellt Opheliate her aus dem Schweiß, der einem über den Rücken rinnt. Die Gischt ist das Produkt eines pathetischen, aufbrausenden Urstoffs, der Nebel das emotionale Gegenteil.


Zum Autor: >> Crauss

Walter Gödden & Julia Schmilgun (Hg.): "Die westfälischen Märchen der Brüder Grimm"

Literaturtipp

Walter Gödden & Julia Schmilgun (Hg.): "Die westfälischen Märchen der Brüder Grimm"

Die westfälischen Märchen der Brüder Grimm, hg. von Walter Gödden und Julia Schmilgun, Münster: Aschendorff Verlag 2013.

Begleitband zur Ausstellung "Märchenhaft" - Die Märchen der Gebrüder Grimm des Museums für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck.

Der Sammelband blättert ein weithin vergessenes Kapitel westfälischer Kulturgeschichte auf. Es ist nur noch wenig bekannt, dass etwa ein Fünftel der berühmten "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm (1812) aus Westfalen stammt.

Diese rege Anteilnahme hat nicht zuletzt persönliche Hintergründe. Im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts bestanden nahe freundschaftliche Beziehungen zwischen den Brüdern Grimm und den Familien von Haxthausen und von Droste-Hülshoff. Grimm war mehrmals im Haxthausenschen Bökerhof zu Gast, es kam zu Gegenbesuchen in Kassel. Bei all diesen Treffen wurde romantischer Geist kultiviert, ja regelrecht zelebriert. 1813 lernte Wilhelm Grimm in Bökendorf auch Annette von Droste-Hülshoff kennen, die über ein großes Märchenrepertoire verfügte. Zwischen ihm und ihrer Schwester Jenny kam es zu einer intensiven Zuneigung.

In der vorliegenden Edition gelangten all jene Texte zum Abdruck, die die Grimms in die "Kinder- und Hausmärchen" übernahmen. Ein ausführliches Nachwort informiert über persönliche, literarische und kulturhistorische Hintergründe.


Cedric Müller (Hg.): "Poesie am Rothaarsteig"

Literaturtipp

Cedric Müller (Hg.): "Poesie am Rothaarsteig"

Cedric Müller (Hg.): Poesie am Rothaarsteig, Edition "WO WORTE WACHSEN", Schmallenberg: WOLL-Verlag 2013.

mit Beiträgen von Oliver Uschmann, Monika Schreckenberg, Ralf Thenior, Herbert Somplatzki, Crauss, Kristin Völlmicke, Monika Littau, Johann J. Claßen sowie Schülern der Grundschulen Oberkirchen und Aue-Wingeshausen

Am 02. Juni 2013 veranstaltete die Christine-Koch-Gesellschaft aus Schmallenberg im Rahmen von literaturland westfalen eine ganz spezielle Art der Lesung: Unter dem Titel Poesie am Rothaarsteig trafen Autoren aus allen Teilen Nordrhein-Westfalens auf Literaten aus dem Sauerland. Als Schauplatz diente der WaldSkulpturenWeg zwischen Schmallenberg und Bad Berleburg, ein besonderer Teil des Rothaarsteigs. Die Lesung stellte einen literarischen Brückenschlag zwischen den beiden Regionen dar und wollte zugleich einen Bezug zwischen Mensch, Natur und Kunst bilden.

Im WOLL-Verlag ist nun das Buch zur Veranstaltung erschienen. Darin sind alle Autoren vertreten, die an der Lesung teilgenommen haben. Sie präsentieren hier eine exklusive Auswahl ihrer Texte. Neben dem jeweiligen Werkauszug enthält das Buch zugleich eine Kurzvita, mit der jeder der Autoren einleitend vorgestellt wird.

Zuvor hatte der WOLL-Verlag Schülerinnen und Schüler aus der dritten und vierten Klasse zweier Schulen, einer aus der Region Sauerland und eine aus Siegen-Wittgenstein eingeladen, zusammen mit einem Ranger des Landesbetriebs Wald und Holz NRW den WaldSkulpturenWeg ebenfalls zu erwandern und dabei Ideen für eigene Texte zu sammeln. Die schönsten Texte dieser talentierten Nachwuchsautoren haben nun ebenfalls den Weg ins Buch gefunden und klammern sowohl geografisch wie auch literarisch die Texte der bekannten Autoren ein.

Als Besonderheit steuerte der bekannte Rothaarsteig-Fotograf Klaus-Peter Kappest eine Serie wunderbarer Impressionen der Skulpturen auf dem Rothaarsteig bei. Ebenso begleitete und dokumentierte er die Wanderungen der Schüler. Auf diese Weise bekommen auch Leser von außerhalb ein Bild dieses einzigartigen Kunstprojekts vermittelt, das alle Altersgruppen fasziniert und zum Nachdenken, Dichten und Schreiben anregt.


Anthologie "HALTlose PROSA!"

Literaturtipp

Anthologie "HALTlose PROSA!"

HALTlose PROSA!

Die Anthologie "HALTlose PROSA!" versammelt die Texte der PreisträgerInnen des gleichnamigen Schreibwettbewerbs, der vom Frühjahr bis Herbst 2012 im Rahmen von literaturland westfalen von der GWK Münster gemeinsam mit Ascheberg Marketing durchgeführt wurde (zum Projekt siehe auch unter "Das Festival"). Die von Linda Opgen-Rhein gestaltete und von Susanne Schulte und Melanie Wiebusch herausgegebene Anthologie ist für 5 € bei Ascheberg Marketing erhältlich.


Ralf Thenior: "Ja, mach nur einen Plan"

Literaturtipp

Ralf Thenior: "Ja, mach nur einen Plan"

Ralf Thenior: Ja, mach nur einen Plan, Bielefeld: Aisthesis-Verlag 2012.

Der als "Dichter und Kleingärtner" in Dortmund lebende Ralf Thenior veröffentlichte 1988 den Roman "Ja, mach nur einen Plan". 2012 erschien eine Neuauflage des Textes, dessen zentraler Schauplatz die Dortmunder Nordstadt ist, im Aisthesis Verlag.

Die drei Hauptfiguren sind strauchelnde Randexistenzen, die zufällig im selben Haus wohnen. Aschröter kann, allerdings nicht mehr allzu lange, von einer kleinen Erbschaft leben. Kreuzworträtselexperte Kadur lässt sich ständig verleugnen und gibt vor, auf Reisen zu sein, um Begegnungen mit seinen zahlreichen Gläubigern zu vermeiden. Detroy schließlich hat ein abgebrochenes Musikstudium und Schlimmeres hinter sich und versucht, ein paar Mark zu verdienen, indem er nachts in den Dortmunder Kneipen die - damals noch real existierende - "Westfälische Rundschau" verkauft. Er leitet außerdem einen Kirchenchor, um zumindest halbwegs ein Auskommen zu haben.

Als das Trio sich an einem Kunstraub von internationaler Dimension beteiligt, in dem zufällig auch eine, gerne mal Hundeblut trinkende, satanistische Loge verwickelt wird, ist schnell klar, dass die Geschichte nicht gut ausgehen wird. Am Ende können nur zwei der drei sympathischen Loser froh sein, wenigstens lebend aus der Sache herausgekommen zu sein. Was allerdings beinhaltet, so schnell wie möglich aus Dortmund zu verschwinden …

"Ja, mach nur einen Plan" ist eine detailgenaue Milieubeschreibung, die in einer ungeschliffenen Sprache ohne überstrapazierenden Tiefgang erzählt wird. Die schrägen Charaktere, die nach und nach im Roman auftauchen, sprechen überwiegend die Sprache des Ruhrgebiets, also "Pottslang". Es werden Alltagsweisheiten ausgetauscht, aber es kommt auch, gerade zwischen Aschröter und Detroy, immer wieder zu hochkomplexen, verblüffend kenntnisreich geführten Diskussionen über Renaissance-Musik, Modern Jazz, chinesische Falsettisten oder Susan Sontags Camp-Theorie.

Insgesamt ist Ralf Thenior mit diesem Roman ein empfehlenswerter Stilmix aus Krimi, Gaunerstück, Sozialreportage und Slapstick gelungen. Und der Autor zeigt sich hier einmal mehr als literarischer Chronist des Ruhrgebiets.

Tobias Stenzel


Zum Autor: >> Ralf Thenior

Renate Hupfeld: "Theodor Althaus. Revolutionär in Deutschland"

Literaturtipp

Renate Hupfeld: "Theodor Althaus. Revolutionär in Deutschland"

Renate Hupfeld: Theodor Althaus (1822-1852). Revolutionär in Deutschland, eBook, Kindle Edition 2011.

Die Autorin nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise in drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. Einfühlsam erzählt sie die Lebensgeschichte des Detmolder Theologen, Schriftstellers und Journalisten Theodor Althaus. Am Schicksal dieses talentierten jungen Mannes werden die Verwicklungen einer Zeit deutlich, in der demokratische Prinzipien bitter erkämpft und häufig mit dem Verlust von Freiheit, Heimat und Leben bezahlt werden mussten.

Geboren am 26. Oktober 1822 als ältester Sohn des lippischen Superintendenten und behütet aufgewachsen hat Theodor Althaus alle Voraussetzungen für ein erfolgreiches Leben. Doch im Strudel der revolutionären Ereignisse des Jahres 1848 schlittert er in ein verhängnisvolles Dilemma. Zeitgleich mit dem Scheitern des ersten deutschen Parlaments in Frankfurt endet die Laufbahn dieses wortstarken Verfechters von Einheit, Freiheit und Demokratie im "Staatsgefängniß vor dem Cleverthor" in Hannover. Er wird nicht einmal dreißig Jahre alt.


Tilman Rammstedt: "Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters"

Literaturtipp

Tilman Rammstedt: "Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters"

Tilman Rammstedt: Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters, Köln: DuMont Buchverlag 2012.

"Ich bin es leid, mich als Einziger noch um das glückliche Ende zu bemühen, während alle anderen lustlos Steine suchen oder in Gefängniskrankenbetten liegen oder einfach nicht ans Telefon gehen, obwohl man doch nur in Ruhe mit ihnen alles besprechen möchte. Ich bin es leid, dass nirgendwo ein gottverdammter Hubschauber ist, wenn man mal einen braucht, und ich bin es leid, dass selbst ein Hubschrauber nie genügt."

Mit den "Abenteuern meines ehemaligen Bankberaters" tritt der gebürtige Bielefelder Tilman Rammstedt zum großen Kampf um das Happy End an. Mit Leidenschaft. Mit Verzweiflung. Mit so viel Humor wie Traurigkeit. Und vollkommen kompromisslos.

Man erkennt die Welt nicht gleich wieder, wenn man sie mit den Augen eines melancholischen Bankberaters betrachtet. Besonders wenn es sich um einen Bankberater handelt, der hinter jeder Geldanlage den größeren Zusammenhang sieht: "Man kann kein Tagesgeldkonto verstehen, ohne zu verstehen, was ein Baum ist."

Und während der Bankberater auch für sein Leben einen Zusammenhang sucht, bevor es an allen Ecken und Enden auseinanderbricht, gerät er in eine ausweglose Situation, aus der ihn nur ein abenteuerliches Trio retten kann: sein letzter verbliebener Kunde Tilman Rammstedt, Bruce Willis und ein toter Hund.


Zum Autor: >> Tilman Rammstedt

Najem Wali: "Engel des Südens"

Literaturtipp

Najem Wali: "Engel des Südens"

Najem Wali: Engel des Südens. Die Bücher von Amaria, München: Carl Hanser Verlag 2011.

Die Teilnahme des in Berlin lebenden Autors Wali an der Reihe "Phäaken-Gespräche" des literaturlands westfalen (01.02.2013 in Unna) soll als Gelegenheit dienen, seinen lesenswerten Romanepos "Engel des Südens" (2011) vorzustellen, der - davon ist der Rezensent überzeugt - einmal in der irakischen Literaturgeschichte einen  ähnlichen Rang einnehmen wird, wie die "Blechtrommel" in der deutschen. Damit ist schon angedeutet, dass es sich bei Walis Roman um eine literarische Bewältigung der "jüngsten" irakischen Vergangenheit handelt und ähnlich wie bei Grass steht in ihm eine traditionsreiche Stadt im Mittelpunkt. Ein Unterschied ist, dass "Engel des Südens" beinahe ein ganzes Jahrhundert umfasst, umfassen muss; ein anderer, dass Wali darin literarisch ganz andere Wege als Grass beschreitet.

In 193 "Entwürfen" erzählt Najem Wali am Beispiel der Bewohner der südirakischen Stadt Amara von einer irakischen Tragödie, deren Ende auch heute nicht absehbar ist, von der wir im "Westen" - sei es aus Gleichgültigkeit oder Ignoranz - nur gruseligen Nachrichtenhorror erfahren. Wali berichtet von einer Wirklichkeit hinter den medialen Bildern, entwirft literarisch eine generationenübergreifende Innenansicht aus dem Irak, die vor allem eines zeigt: wie ungerecht verkehrt die Geschichte dieses Landes verläuft, aber auch, dass sie hätte anders verlaufen können.

Vielen Opfern totalitärer Herrschaft ist es oft nicht mehr möglich ihre Erinnerungen zu artikulieren: Sie wurden ermordet oder sind traumatisiert. Manche haben resigniert, sind zu der Überzeugung gelangt, dass "das Vergessen die einzige Art ist, in diesem Land zu leben". So sind es oft die Schriftsteller, die die Erinnerungen durch ihre Werke bewahren, Zeugnis ablegen. Im vorliegenden Fall obliegt es dem Ich-Erzähler, einem exilierten Schriftsteller nach seiner Rückkehr in den Irak, das Leid und die Verfolgungen seiner Freunde und ihrer Familien zum Sprechen zu bringen und ihnen ein literarisches Denkmal zu setzen. Wali verwebt ihre Lebens- und Leidenswege auf eine so kunstvolle Weise mit dem Niedergang der einstmals florierenden Stadt Amaria, dass der Roman zugleich den Verfall einer kosmopolitischen irakischen Bürgerkultur abbildet. Aber Wali hat keine "objektive" Historiographie im Sinn - obwohl alle historischen Eckdaten stimmen. Ihm liegt eine literarische Erfahrungsgeschichte am Herzen, eine "Ästhetik des Widerstandes". Gelebte Liebe, Freundschaft und Toleranz leuchten in diesem Buch inmitten einer Herrschaft profaner Gewalt, sie bilden einen utopischen Gegenentwurf zur realen Barbarei.

Den Mittelpunkt des Geschehens bildet die Geschichte Maleikas und die ihrer Freunde, dem Goldschmidt Nur und dem Dichter Naim. Ihre  Biografien, die schicksalhaft miteinander verzahnt sind, füllen die beinahe 200 Kapitel des Romans. Mithilfe von Rückblenden und multiplen Erzählperspektiven, ornamental anmutenden Wiederholungen erzählt Wali ihre Geschichte, weil es ihm notwendig erscheint, neue Begebenheiten, Personen und Nuancen zu addieren, um ein wahrhaftigeres Zeugnis abzulegen. Der Weg zur Geschichte sei ihre Essenz, lautet ein Satz. Es sind traurige Geschichten, die die Kapitel füllen: So ist Malaika, deren Schönheit einst der Stolz der Stadt Amaria war, ihr Leben lang gezwungen, ihr Gesicht hinter einem Schleier zu verbergen, weil sie in die Illegalität abtauchen musste. Ihr Los steht symbolisch für eine Gesellschaft, in der die  Idee der Öffentlichkeit von der des  Geheimdienstes abgelöst wurde. Malaikas Jugendliebe Naim ist zur Emigration gezwungen und verfolgt das Schicksal seiner Freunde ausgerechnet aus dem "Feindesstaat" Israel. Und Nur, der Goldschmid, der die einst blühende Geschichte der Stadt mit Arbeiten dokumentierte, wird Opfer von Folter und verliert seine Hände. Die Erzählung beginnt und schließt auf dem englischen Friedhof der Stadt, dem "No Man‘s Land", der wie alle Friedhöfe im Roman zu einem Fluchtort für die Lebenden wird, denn im Reich der Toten geht es friedvoll zu.

Steffen Stadthaus


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Antonia Baum: "Vollkommen leblos, bestenfalls tot"

Literaturtipp

Antonia Baum: "Vollkommen leblos, bestenfalls tot"

Antonia Baum: Vollkommen leblos, bestenfalls tot, Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag 2011.

"Wir kommen, um uns zu beschweren."

Die Artikulation eines grundsätzlichen Zorns über die gesellschaftlichen Verhältnisse in Zeiten der Krise ist seit jeher ein dankbares Metier der engagierten oder verzweifelten Literatur. Doch von ihr war in den letzten Jahren wenig Zorniges zu vernehmen. Die Literaturkritik trauerte um die Meister der unversöhnlichen Wutliteratur, um zornige Männer wie Thomas Bernhard und Rolf Dieter Brinkmann und unterstellte der jungen Gegenwartsliteratur Weltenferne, Zahmheit und Akademismus.

Mit ihrem Debütroman "Vollkommen leblos, bestenfalls tot" erklärt die 1984 in Borken geborene Autorin Antonia Baum der literarischen Appeasement-Politik der Gegenwartsliteratur den Krieg. Ihre Prosa kommt ohne "Anger-Management" aus und ist formal der Tradition des bösen literarischen Grantlertums verpflichtet. Entgegen dem in der Gegenwartsliteratur zu beobachtenden Trend zur szenischen Verknappung und zum lakonischen Tonfall, ist bei Baum erzählökonomische Verausgabung angesagt, lässt sie ihrem Weltenekel in uferlosen Satzkonstruktionen Raum.

In Selbstfindungsmission ist die Ich-Erzählerin nach bestandenem Abitur nach Berlin aufgebrochen, um sich in ein neues, besseres Leben zu stürzen. Dass dieses neue Leben ein Traum bleiben wird, hat zweierlei Gründe: Die Konflikte, vor denen sie floh (eine emotional verarmte "failed"-Family)  begleiten sie in ihre neue Wahlheimat und gären, unverarbeitet, weiter, münden in nicht enden wollenden, destruktiven Gedankenoperationen. Zudem realisiert sie, dass die Hoffnungen, die sie mit Berlin verbunden hatte, trügerisch waren, dass in der Hauptstadt zwar vieles anders ist, das meiste aber nicht besser, dass Provinz und kulturelles Spießertum auch hier, im kulturellen Hotspot Deutschlands, an jeder Ecke lauern. Zum Beispiel in Gestalt der Kulturmenschen, die ihr in ihrem Praktikum bei einer Kunstzeitschrift begegnen. Sie sind, wie die Erzählerin selbst, Sprösslinge der bürgerlichen Provinzaristokratie. Doch während sie an ihrer Herkunft leidet und zwischen Selbsthass und Hoffnung zerrissen ist, stellen sich ihre neuen Kollegen als "Geradaus-Menschen" heraus, denen Selbstzweifel abgehen und die von der Erzählerin verabscheute Eigenschaften wie Flexibilität, Zielstrebigkeit und Anpassungsgeist besitzen. Überhaupt unterscheiden sie sich nur durch ihren oberflächlichen Distinktionswillen, durch ihr popkulturelles Insiderwissen und ihre zur Schau gestellte Coolness von ihrer Eltern-Herkunftswelt. Mit einer an Drastik kaum zu übertreffenden Reflexionsprosa schildert die Erzählerin Aufeinandertreffen mit Eltern und Arbeitskollegen, die wie Zombies auf sie wirken, fremdgesteuert und hoffnungslos. Das Unbehagen der Erzählerin steigert sich und mündet in eine existenzielle Ratlosigkeit, die an diejenige des Helden aus Brinkmanns "Keiner weiß mehr" erinnert.

Ähnlich wie jener verfolgt Baum keine konkrete politische Zeitkritik, diese wird im Roman am Beispiel eines "marxistischen" Theaterzampanos persifliert; ihr Ansatz ist ein individualistischer. Mit ihrem radikal weltverneinenden Debüt, in dem Wut und Hass sich Bann brechen, hat Baum trotzdem ein kulturpolitisches Zeichen gesetzt, weil sie Beschädigungen schonungslos ausstellt und Tendenzen hin zu einer neuen Spießigkeit gnadenlos verdammt.

Steffen Stadthaus


Hannelies Taschau: "Landfriede"

Literaturtipp

Hannelies Taschau: "Landfriede"

Hannelies Taschau: Landfriede, Bielefeld: Aisthesis-Verlag 2012.

Täuschende Idylle. Hannelies Taschaus Roman "Landfriede" erscheint in einer Neuedition.

Zum ersten Mal erschien Hannelies Tauschaus Roman "Landfriede" im Jahr 1978. Damals wurde er als ein literarisches Meisterwerk gefeiert. Die Autorin hatte einen zeitgemäßen Anti-Heimatroman geschrieben. Einen, der mit der rustikal-plebejischen Ästhetik eines Xaver Kroetz nicht viel gemein hatte. Weil der gesellschaftliche Wandel den ländlichen Raum auch in Westfalen längst erfasst hatte und Pfaffen und Volksschullehrer nicht mehr den kleinstädtischen Lebensrhythmus bestimmten, verlegt die Autorin das Setting des Buches in die "neue" Provinz, ins Milieu der Neubaugebiete, und schaut ihrer jungen Protagonistin Anne über die Schulter, die es unfreiwillig dorthin verschlagen hat und die sich in der nur vermeintlich heilen Kleinstadtwelt recht bald wie ein Alien fühlt. "Landfriede" ist aber nicht nur ein Roman über die Doppelbödigkeit moderner ländlicher Idylle, sondern bildet am Beispiel der geschilderten Stadtflucht den gesellschaftlichen Zeitenwechsel ab, der sich zutrug, als die Träume der Siebziger Jahre begraben wurden, als ein schleichender Anpassungsprozess und ein Rückzug ins Private einsetzte.

Mit ihrem Lebensgefährten Schrager, einem Studienrat, ist Anne, die Journalistin, in der westfälischen Provinz gestrandet. Während er die neue Umgebung zu schätzen lernt, erliegt Anne einem Neubausiedlungs-Koller. Unbehagen mündet in Apathie: Antriebslos verlebt Anne ihre ersten Sommermonate in der Provinz, zieht sich zurück und vernachlässigt ihre journalistischen Projekte, dämmert schließlich einer sozialen Verwahrlosung entgegen. In den leeren Vormittagsstunden, wenn Schrager unterrichtet und sie mit ihrer Zeit nichts anzufangen weiß, beobachtet sie - anfänglich aus Langeweile, bald obsessiv - das nachbarschaftliche Leben um sie herum: das morgendliche Sonnenbad der Ehefrauen, die lüsterne Baukolonne, den ehemals politisierten Nachbarsjungen, der aus Perspektivlosigkeit den Drogen verfällt. Mit dem "Landfrieden" ist es nicht weit her und in der provinziellen Komfortzone läuft einiges schief. Kaputte Ehen, gescheiterte Lebensentwürfe prägen das Bild. Wer anders ist, wird ausgegrenzt. Das zeigt das Beispiel des Nachbarsjungen. Und auch um die Geschlechterverhältnisse ist es nicht gut bestellt. Anne erfährt es am eigenen Leib. Schrager, der Entscheider, bestimmt in der neuen Umgebung fortan die Beziehungsgeschicke, agiert zuerst als nachsichtiger Pädagoge, der er ist, verliert aber endlich die Geduld, denn Anne gefährdet sein mühsam erarbeitetes Standing in der Kleinstadtwelt.

Dass Buch erzählt uns, dass in der Provinz äußerlich vieles im Wandel begriffen ist, dass Wohnkomfort und Bildungsniveau steigen, Konformität und Engstirnigkeit aber wie eh und je den Alltag regieren. Und dass die ehemaligen Revoluzzer, wie Schrager selbst einer war, sich aus Karrieregründen, aus Pragmatismus mit den Verhältnissen arrangieren. Erzählt wird Annes Entfremdungsprozess mit Film-erprobten Mitteln. Einer Kamera gleich erfasst die Autorin die Gesichter und Gesten, betätigt den Zoom, fängt die Sommerszenerie in der Siedlung ein und schweift - als enthielten sie ein Freiheitsversprechen - über die wogenden Kornfelder am Dorfrand. Obgleich die Sprache des Romans immer dem Minimalismus frönt und Coolness atmet, faszinieren die grobkörnig wirkenden Bilder, die in der Erinnerung haften, auch weil man die in ihnen aufgehobenen Stimmungen mit allen Sinnen nachzufühlen meint. Der Autorin gelingt es so, den "Hundstagen" im vergifteten Provinzmilieu, einen poetischen Mehrwert abzutrotzen. Man denkt an den romantischen Realismus jüngerer Kinoproduktionen, an Filme von François Ozon, Christian Petzold und Thomas Arslan.

"Landfriede" ist deshalb ein wichtiger und noch heute lesenswerter Roman, weil er ein genaues Sittenbild der ausgehenden Siebziger Jahre zeichnet. Mit soziologischer Genauigkeit schildert Taschau eine Zeit, in der die politische Aufbruchsstimmung der letzten Dekade verpufft war und ein neuer Konservatismus Einzug erhielt. Und in der die gesellschaftliche Modernisierung auch die ländlichen Randgebiete erfasste, in denen sich neue Milieus einer aufstiegswilligen Kleinbürgerschicht bildeten.

Steffen Stadthaus


Wolf Hogekamp & Björn Högsdal (Hg.): "155 Kurze"

Literaturtipp

Wolf Hogekamp & Björn Högsdal (Hg.): "155 Kurze"

155 Kurze. Eine gar nicht so kurze Sammlung der besten Kurz-Texte des Poetry Slam, hg. von Wolf Hogekamp und Björn Högsdal, Paderborn: Lektora Verlag 2012, ISBN 978-3-938470-79-4.

Der perfekte Einstieg: Die Poetry-Slam-Kurztext-Anthologie aus dem Hause Lektora!

Von Prosa bis Lyrik, vom nachdenklich stimmenden Vierzeiler bis hin zum höchst unterhaltsamen Kurztext - mit diesem Buch erwartet den Leser Abwechslung hoch drei. Die Besten der besten Wortakrobaten geben sich hier die Seite in die Hand, überraschen, provozieren und nehmen auf den Arm, was das Zeug hält. Auf schmachtende Romantik folgt nüchterner Realismus, augenzwinkernde Lebensweisheit paart sich mit frecher Schnauze. Sowohl erfahrene Slammer als auch junge Talente verstehen es hier gleichermaßen zu überzeugen.

Ob langjähriger Fan oder Szene-Neuling: Diese 155 Kurze brennen sich in den Kopf und garantieren mehr als einen versackenden Abend auf dem Lieblingssofa.

Mit Texten von: Andy Strauß, Bas Böttcher, Björn Högsdal, Bleu Broode, Christian Ritter, Daniel Terek, Dirk Huelstrunk, Dominik Bartels, Florian Cieslik, Frank Klötgen, Gauner, Harry Kienzler, Jana Klar, Julian Heun, Karsten Lampe, Lars Ruppel, Lino Ziegel, Markim Pause. Marque-Régnier Hübscher, Moritz Neumeier, Nektarios Vlachopoulos, Nora Gomringer, Patrick Salmen, Paula Peh, Paula Varjack, Pauline Füg, Peter Janicki, Philipp Herold, Quichotte, Renato Kaiser, Sebastian 23, Simon Chen, Sulaiman Masomi, Temye Tesfu, Theresa Hahl, Toby Hoffmann, Torsten Wolff, Wolf Hogekamp, Xóchil A. Schütz.


Martin Pollack (Hg.): "Von Minsk nach Manhattan. Polnische Reportagen"

Literaturtipp

Martin Pollack (Hg.): "Von Minsk nach Manhattan. Polnische Reportagen"

Von Minsk nach Manhattan. Polnische Reportagen, übers. aus dem Polnischen von Martin Pollack, Renate Schmidgall, Joanna Manc, hg. von Martin Pollack, Wien: Zsolnay Verlag 2006, ISBN 978-3-552-05371-7.

38.196 Mal hat Janina Turek in 57 Jahren das Telefon abgehoben, 1922 Mal hat sie sich mit jemandem verabredet: Janina Turek hat alles, buchstäblich alles in ihrem Leben notiert. Limalo besitzt in einem Vorort von Warschau eine Villa und macht Geschäfte; plötzlich bricht er auf, um in Transsilvanien nach seinen Vorfahren zu suchen. Am 9. März 1995 übergießt sich Zbigniew K. in Manhattan mit Benzin und verbrennt.

Drei markante Schicksale, drei Beispiele für die literarische Gattung der Reportage, wie sie es bei uns fast nicht mehr gibt, in Polen aber hohe Tradition hat.

Der Journalist und Übersetzer Martin Pollack hat in diesem Band eine Auswahl der besten polnischen Reportagen aus mehr als einem Jahrzehnt getroffen, darunter auch Texte der drei Autoren, die im Herbst im Festivalprogramm von literaturland westfalen zu erleben sein werden: Wlodzimierz Nowak (20.09.2012, Hagen), Wojciech Jagielski (15.11.2012, Dortmund) und Mariusz Szczygiel (29.11.2012, Unna). Bei der letzten Veranstaltung wird auch Martin Pollack selbst als Moderator und Gesprächspartner dabei sein.

Der Sammelband bietet einen guten Einstieg in das Genre Reportage und macht Lust, sich ausführlicher mit der Gattung und ihren engagierten und häufig viel gereisten Autoren auseinanderzusetzen.


Sabrina Janesch: "Katzenberge"

Literaturtipp

Sabrina Janesch: "Katzenberge"

Sabrina Janesch: Katzenberge, Aufbau Verlag, Berlin 2011.

Gespenster allenthalben

Es spukt in Sabrina Janeschs Debütroman "Katzenberge". Gespenster allenthalben: Im Dämmerlicht erobern sie die Lichtungen und Felder und tanzen den Großeltern der Erzählerin vor der Nase herum. Die Gegend der Katzenberge im ehemaligen Schlesien, in die es jene nach ihrer Vertreibung aus Galizien verschlug, strahlt eine unheimliche, beängstigende Atmosphäre aus. Bis klar wird, dass hier keine echten Kobolde und Geister hausen, drohen auch uns Lesern die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Geisterwelt auf beunruhigende Weise zu verschwimmen. Diese Erfahrung teilen wir mit den entwurzelten Großeltern, die verzweifelt im ostpolnischen Volkglauben die Erklärung für die übersinnlich anmutenden Erscheinungen suchen. Man übt sich in Exorzismen, nagelt Eulen an die Haustür, bedeckt die Dielen mit Kräutermischungen. Die Ursache für die rätselhaften Geschehnisse erweist sich schließlich als profaner, doch nicht weniger kompliziert. Es sind die sprichwörtlichen Geister einer unbewältigten Vergangenheit, die die Alten seit Jahrzehnten in Atem halten.

Als die Erzählerin, eine junge Berliner Journalistin, anlässlich der Bestattung ihres Großvaters in das kleine schlesische Dorf reist, wird sie selbst von den Dämonen der Vergangenheit erfasst. Sie beschließt, den familiären Traumata von Flucht und Vertreibung auf den Grund zu gehen, die unseligen Geister endlich zu bannen. Als erste der Familie überhaupt bricht sie in die verlorene Heimat, nach Ostgalizien auf. Auf ihrer Reise macht sie Bekanntschaft mit skurrilen Verwandten, holprigen ukrainischen Straßen und bestechlichen Grenzern, bevor sie am Ziel, im großväterlichen Geburtsort, anlangt. Hier, im vergreisten Dorf, das sich zwischen wogenden Kornfeldern versteckt, findet sie endlich die Antworten, die sie sucht.

Dramaturgisch erinnert Janeschs familienbiografischer Roadmovie, in den lange historische Rückblenden von der Flucht des Großvaters eingeflochten sind, an Jonathan Safran Foers "Alles ist erleuchtet". Mit dem Unterschied, dass Janesch auf dessen comichafte, auf Pointen schielende Erzählweise verzichtet. Die Autorin wählt einen anderen Weg: Mithilfe der Schilderung der rätselhaften Erscheinungen evoziert sie eine unheimliche, bedrohliche Atmosphäre, die die existentielle Unsicherheit der entwurzelten und durch Krieg und Familienzerwürfnissen traumatisierten Großeltern widerspiegelt. Die Doppelbödigkeit des Geschehens evoziert auch beim Leser ein unbehagliches Gefühl. Ferner sind die erdenschweren, poetischen Landschaftsschilderungen hervorzuheben, ein Vergleich zu frühen Herta-Müller-Erzählungen drängt sich hier auf.

"Katzenberge" ist ein wichtiger Debut-Roman, der aus der Masse der jüngeren Familienliteratur heraussticht. Janesch bringt eine andere Geschichte der Vertreibung zu Gehör, die in Deutschland so gut wie unbekannt ist. "Wenn man vergisst", heißt es an einer Stelle des Romans "begeht man den gleichen Fehler wieder und wieder". Gegen das Vergessen erzählt der Roman an. In teilweise drastischen Bildern. Die Rückblenden der großväterlichen Odyssee durch die "Bloodlands" des Zweiten Weltkriegs ist - entschuldigen Sie das Wort - ergreifend. Eine erschreckende Einsicht, die die Lektüre dieses Romans lehrt, ist: wie erfolgreich die deutschen Vertriebenenverbände es bis heute vermocht haben, den Begriff der Vertreibung zu besetzen. Die Literatur, zeigt sich, hat die einseitigen, um die "deutschen Opfer" zentrierten, Diskurse glücklicherweise längst überwunden. In einem multi-kulturellen Europa sollte dies aber eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

Steffen Stadthaus


Zum Autor: >> Sabrina Janesch

Michael Göring: "Der Seiltänzer"

Literaturtipp

Michael Göring: "Der Seiltänzer"

Michael Göring: Der Seiltänzer, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2011.

"Warum hast du diesen Weg eingeschlagen? Was fasziniert dich an der Welt der Riten, der Heiligen und des Kreuzes?"

Voller Sorge und Empörung fordert der Priester Andreas Wingert von der Kanzel herab Konsequenzen aus den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche – bis er selbst unter Verdacht gerät. Nun sucht er Rat und Hilfe bei seinem Freund aus Kindertagen, aber Thomas liegt mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus.

Auf der Rückfahrt von einem Besuch bei Thomas erinnert sich Andreas: An eine Kindheit und Jugend in der westfälischen Provinz, als Thomas und er unzertrennlich waren, an die siebziger Jahre in Berlin und Köln, Wales und München. Danach schlägt Andreas einen ungewöhnlichen Weg ein: Fasziniert von den Ritualen der katholischen Kirche, geht er ins Priesterseminar, während Thomas heiratet und als Geisteswissenschaftler Karriere macht. Die Anfechtungen des Alltags und des modernen Lebens, das Verzicht kaum noch kennt, werden Andreas zur ständigen Herausforderung.

Michael Göring erzählt von einer großen, lebenslangen Freundschaft, von religiöser Berufung und von der Gratwanderung eines Priesters heute.

Michael Göring, geboren 1956 in Lippstadt/Westfalen, ist seit 2005 Vorsitzender des Vorstandes der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius in Hamburg und Honorarprofessor der Forschungsstelle Stiftungswesen am Institut für Kultur-und Medienmanagement der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Der Seiltänzer ist sein erster Roman.

(Verlagsinfo)


Mischa-Sarim Vérollet: "Als Leo Frida suchte und Pumpernickel fand"

Literaturtipp

Mischa-Sarim Vérollet: "Als Leo Frida suchte und Pumpernickel fand"

Mischa-Sarim Vérollet: Als Leo Frida suchte und Pumpernickel fand, Conbook Verlag, Meerbusch 2011.

Ein Bermudadreieck, die Fahrradhauptstadt der Republik, eine holländische Invasion, Brot aus der Dose und eine Stadt, die es nicht gibt - wo man all das finden kann? Richtig, in Westfalen!

Hierhin folgt Leo seiner Ex-Freundin Frida, als sie zu einer Reise aufbricht, die eigentlich in Thailand enden sollte. Um sie zurückzubekommen, reist er ihr durch jenen Landstrich hinterher, in dem Poller "Pömpel" genannt werden, Katzen "Balkenhasen" heißen und dicke Bohnen mit Speck das höchste der Gefühle sind. Nach und nach stellt er fest, dass sich mehr hinter Westfalen verbirgt als eine platte Landschaft, die unverblümt der Ästhetik des Anspruchslosen huldigt - da ist noch mehr als "wat" und "dat".

Leo und sein besserwisserischer Reiserucksack Paul sind Frida immer einen Schritt hinterher, Westfalen jedoch kommt das skurrile Duo Schritt für Schritt näher.

Der in Bielefeld aufgewachsene Erfolgsautor Mischa-Sarim Vérollet (Das Leben ist keine Waldorfschule) zeigt, wie der Balkenhase in Westfalen läuft und die Westfalen ticken! (Verlagsinfo)